21.03.09 - FULDA

Tribute to Bob Dylan von Hermann Diel & Co: Song & Danceman Band in Konzert

Man findet noch genau zwei freie Stühle, als um kurz nach acht Hermann Diel die Bühne des Kulturkellers betritt. Er wundert sich, dass so viele, die schon mal da waren und „es eigentlich besser wissen müssten“, wieder gekommen sind. Als ob diese Schüchternheit echt wäre, wird der Saal daraufhin mit zwei Dylan-Coversongs aus der Konserve eingestimmt. Der Name „Song & Danceman Band“ der 2001 von Bassist und Dylanologen Hermann Diel gegründeten Band ist auf ein in den Sechzigern geführtes Interview mit Bob Dylan zurückzuführen, in dem er auf die Frage, wie er sich selbst sehe, grinsend den „Song- and Danceman“ angab.

Die Ankündigung der Musiker, die aus den Lautsprechern erschallt, erinnert vom Wortlaut her stark an die seit Jahren immer gleiche Ankündigung von Bob Dylan bevor der die Bühne betritt. Den Anfang macht „Silvio“ von der 1988 erschienenen „Down In The Groove“, gefolgt von einer rhythmusbetonteren Version von „I’ll be your baby tonight“, die die nervtötende Wirkung des stark an Caruso erinnernden Originals von 1967 nicht einmal mehr erahnen lässt.

Und spätestens beim dritten Song des Abends, „Paths of Victory“, hat sich der Weg für die Zuschauer schon gelohnt. Es ist ein eher unbekannter Song, aufgenommen Anfang der Sechziger, veröffentlicht Anfang der Neunziger, und als Band-Performance wohl völlig neu. Was für ein Glück für die begeisterten Zuhörer, im doppelten Sinne. Denn die Band hatte sich bereits aufgelöst, weil verschiedene beteiligte Musiker sich verabschiedet hatten. Doch mit Uli Mayer an den Tasten, der sehr interessante Boogie- und Blues-Einflüsse in die Songs einbringt, Ralf Thomas von der ffortissimo-Musikschule an den Trommeln und dem Gitarristen Martin Günzel wurden fähige „pretty people“ (so werden sie nach einem Vers aus „Like a Rolling Stone“ vorgestellt) verpflichtet.

Das ausgerufene Motto des Abends – „weiter, immer weiter“ – passt also gut, schließlich will man sich selbst und immer mehr Dylan-Songs ausprobieren und die mehr oder weniger alljährlich stattfindenden Abende im Zeichen des Meisters nicht aus Personalmangel der Vergangenheit überlassen.

In der Folge wird dem Publikum ein buntes Programm aus bekannten und unbekannten Liedern präsentiert, dessen Höhepunkte ein mitreißendes „Gotta Serve Somebody“ und „You Ain’t Goin’ Nowhere“ im Reggaekostüm bilden. Zu letzterem „verkleidet“ sich Bassist Hermann Diel, indem er seinen Hut ablegt und sich ein Tuch um den Kopf bindet, vielleicht als Anspielung auf „Dschingis Khan and his brother Don“. „Brother Don“ ist der Künstlername des Allrounders Martin Caba, der permanente Gastmusiker von den „Rhöner Säuwänzt“. Wenn er nicht gerade an der Percussion sitzt, spielt er Mandoline, Mundharmonika und singt, so zum Beispiel bei „Lord Protect My Child“.

Hermann Diel führt als „Businessman“, so sein eigener Künstlername, durch den Abend und legt nach und nach seine anfängliche Schüchternheit ab. Auch zwischen den Liedern wird dem Publikum nicht langweilig, denn er hat zu jedem Song eine kleine Geschichte und die scherzhaften Kabbeleien mit den Bandkollegen bringen alle zum Lachen. Gesungen werden die meisten Songs von zwei Frauen – und das ziemlich gut. Dass beide singen können, steht außer Frage, aber Jutta Diel und Dagmar Wortberg fühlen die Songs mit, und das trägt einen großen Teil zu dem gelungenen Abend bei. Auch den eigentlich nur schwer erträglichen Versprecher von Dagmar Wortberg beim Text von „Make You Feel My Love“, als sie die Verse „nothing that I wouldn’t do“ und „I could hold you for a million years“ vermischt, hat spätestens beim „speziellen Song des Abends“, „Tears Of Rage“, längst vergessen.

Gegen Ende des Abends dann werden die großen Klassiker der Sechziger noch einmal ausgepackt: Nach Bob Dylans Lebenswerk „Like A Rolling Stone“ schließt der offizielle Teil der Veranstaltung mit „Rainy Day Women #12&35“, und die Band geht unter der lautstarken Forderung des Saals, jeden zu steinigen, von der Bühne. Im Extra-Teil finden die „pretty people“ bei „All Along The Watchtower“ fast automatisch zu einem von vielen Höhepunkten, derer es anscheinend noch bis in die frühen Morgenstunden einige mehr hätte geben können, wäre die Veranstaltung nur nicht zeitlich eingezäunt. Zu solch spontanen Einfällen wie einem Piano-Gitarre-Dialog bemerkt Hermann Diel des Öfteren, das sei „so nicht geplant gewesen“. Nach einer weiteren Bühnenräumung endet das Konzert mit „Cat’s In The Well“ von der 1990 erschienenen „Under The Red Sky“.

Alles in allem eine schöne Einstimmung auf die Deutschland-Tour und das neue Album von Bob Dylan. Und nicht nur der Unterhaltung, auch der Bildung dient die Veranstaltung an diesem Abend. Nach der ersten von zwei sehr verschiedenen Versionen von „Quinn The Eskimo“, die allein schon die Vielfalt von Bob Dylans Werk beweisen, bemerkt eine Frau im Publikum: „Ach, das ist auch von Bob Dylan?!“ Da sage noch einmal jemand, Bob Dylan würde sich immer gleich anhören. (Robert Wienröder) +++





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