23.03.12 - FULDA

"Desolation Row" – Bildband zum Dylan-Klassiker und drei Bemerkungen dazu

Das Buch mit Bild zum Lied: Bernd Lehmann aus dem norddeutschen Neuenkirchen hat heute in Fulda sein Buch zum Lied „Desolation Row“ von Bob Dylan vorgestellt. Die Texte stammen von dem Fuldaer Journalisten Hermann Diel. Das 24 Seiten starke Buch zeigt 20 farbige Abbildungen mit Gouachen von Bernd Lehmann und eine DVD über das Projekt. In seinen Texten liefert Hermann Diel eine Annäherung an ein mysteriöses Lied, das seit Jahrzehnten die Phantasie von Dylanfans rund um den Globus beflügelt. Das Buch wurde im Rahmen der Ausstellung „Rollernder Donner“ in Fulda vorgestellt. Zwei Dutzend Künstler zeigen noch bis zum 15. April im Vonderau-Museum Fulda Bilder zu Liedern von Bob Dylan.

Bernd Lehmann hat für die Ausstellung eine Serie von Gouachen erstellt. Am Samstag und am Sonntag (24./25. März 2012) gewährt der in der Lüneburger Heide lebende Grafiker Einblicke in seine Drucktechnik. Er demonstriert live im Vonderau-Museum, wie seine Werke entstehen. Am Ende wird es 100 Exemplare des Motivs aus dem Desolation Row Zyklus geben.

Wie die Drucke ist auch das Buch, mit einer Original-Radierung limitiert und eine Perle für Kenner. Es kostet 50 Euro und mit einer Radierung zusammen 190 Euro. Es ist exklusiv bei Lehmann selbst erhältlich - und am Wochenende im Vonderau-Museum Fulda.(siehe unten)

Drei Bemerkungen über ein besonderes Buch von Christoph Witzel

Vorbemerkung

Es kommt beim Besprechen von Büchern hin und wieder vor, dass man sich mit einem Werk auseinandersetzen muss, dessen Autor einem persönlich in irgendeiner Art und Weise nahesteht. Komisch wird die Geschichte, wenn dieses Nahestehen unmittelbar mit dem Thema, mit dem sich das Buch beschäftigt, zu tun hat. Hier liegt genau dieser Fall vor. Ich notiere diese Bemerkungen also mit einem komischen, mithin auch mulmigen Gefühl.

Hermann Diel, der gemeinsam mit dem wunderbaren Künstler Bernd Lehmann, seine „Hommage an Bob Dylan“ vorlegt, ist nicht nur mein Jahrgang, sondern er hatte im Alter von 13 Jahren auch dasselbe Erweckungserlebnis wie ich (das haben wir übrigens einst auf einer Fete der Gummiwerke Fulda festgestellt, was an der Bedeutsamkeit der Erweckung aber nichts ändert): Es war 1976, Samstagabend, „Disko“ mit Ilja („Licht aus, Spot an“) Richter. Zwischen, sagen wir: Penny McLean und Sweet (die waren übrigens trotz ihrer Scheißschuhe ziemlich cool) wurde ein Video eingespielt. Das Stück, das sie spielten, hieß „Hurricane“, und der Mann, der es mit seiner Band vortrug, war unglaublich. Obwohl ich den Text nur teilweise verstand, war sofort klar, dass mich das was anging. Überhaupt keine Frage. Der dünne Typ da mit seinem Wuschelkopf war unglaublich. Nicht gerade ein Teenie-Idol, bestimmt mehr als zwanzig Jahre älter als ich. Aber wie der sang! Wie der die Wörter ins Mikro peitschte, das unter seiner leicht gebogenen Nase regelrecht vibrierte! „Here comes the story of the Hurricane.“ Einfach unglaublich. Unglaublich schön. Und echt. Ich war fassungslos. Der Typ da im Fernsehen, er war DA. Seit diesem Tag ist Bob Dylan für mich da. Und für den Hermann Diel auch. Doch der redet und schreibt nicht nur über Bob Dylan, sondern er spielt mit der herrlichen Song & Danceman Band auch seine Lieder. Und er hat jetzt mit Bernd Lehmann ein Dylan-Buch gemacht. Dazu folgt jetzt meine

Hauptbemerkung

Bittet man, sagen wir: vier Menschen, die das künstlerische Werk Bob Dylans schätzen, analysieren, verehren, lieben, brauchen – bittet man also diese vier Menschen, eine Liste ihrer zehn liebsten Stücke des Meisters zusammenzustellen, so wird man nicht nur endlose Diskussionen auslösen, sondern am Ende auch etwa neun bis dreizehn Hitlisten in Händen halten. Fragt man dieselben vier Menschen jedoch nach dem Song, der ihnen persönlich am allerwichtigsten ist, werden drei, wenn nicht alle vier sehr flott antworten: Desolation Row.

Mit eben diesem Stück aus dem Jahre 1965 bestreiten Diel und Lehmann ihre Hommage. Bernd Lehmann hat dunkle, tiefe, alttestamentarische Radierungen und Gouachen angefertigt, in deren Mittelpunkt die Person Bob Dylan steht, die diese Person jedoch auf wundersam subtile Weise in die Desolation Row, diese Straße der Trostlosigkeit, hineinstellt. Das ist nicht nur handwerklich perfekt gemacht, sondern korrespondiert künstlerisch sehr gut mit der textlichen Annäherung Hermann Diels an Dylans gigantisches Stück. Und es korrespondiert auch mit deren treffender Erkenntnis, dass die Desolation Row beileibe nicht das Grauen dieser Welt ist, sondern die beste aller Welten dieser Zeit. Und dass – ganz im paulinischen Sinne – nichts den Menschen nutzte, hätten sie nicht Glaube, Liebe, Hoffnung. Und dass die Liebe die Größte unter ihnen ist. Womit wir beim Text sind. Hermann Diel nähert sich dem Phänomen der Desolation Row wirklich umfassend, kenntnisgesättigt – und mit großer, mit Vergnügen aufzunehmender Sprachmacht (dass deren orthografischen Umsetzung an der einen oder anderen Stelle ein handwerklich sicherer Korrektor gutgetan hätte, sei als Kritikpunkt erwähnt, Schwamm drüber). Was alles und wie der Autor über das Song-Epos schreibt, soll hier nicht referiert werden, das sollen die Leser und Betrachter schon selbst lesen und betrachten. Erwähnt werden sollte aber schon, dass auch Menschen, die – wie ich – sich leidlich mit dem Gesamtthema auskennen, Neues erfahren: Dass Mick Jagger den elektrische Geige spielenden Einstein in der Desolation Row am meisten liebt, war mir völlig neu. Mir geht’s genauso. Ich werde mein Verhältnis zu Jagger überdenken müssen.

Hermann Diel und Bernd Lehmann haben eine sehr schöne, intelligente, neugierig machende und einfühlsame Hommage an Bob Dylan und seine Straße der Trostlosigkeit vorgelegt. Ihr Buch ist im wahrsten Wortsinne liebevoll. Und das ist, nicht wahr, wunderbar.

Nachbemerkung

Im Autorenporträt am Ende heißt es: „Hermann Diel hat einen Heiligen Abend mit Christmas In The Heart verbracht und fast ein ganzes Jahr in Afrika vom Album Oh Merci gelebt, aufgenommen auf einer Chrom-Kassette, abgespielt auf einem Walkman. Viele haben für all dies nur sehr eingeschränkt Verständnis.“ Da dies nun leider Gottes mal so ist, gibt es dieses wunderschöne Büchlein nur in der kleinen Auflage von hundert nummerierten und signierten Exemplaren. Das heißt: 99, denn eins werde ich mir sichern. Wenn ich Sie wäre, würde ich also ziemlich schnell zugreifen. Nachher ärgert man sich nur. Ach ja, eins noch: God bless Ilja Richter.

Hermann Diel, Bernd Lehmann: Hommage an Bob Dylan. Desolation Row. 26 Seiten, gebunden. 100 nummerierte und signierte Exemplare. Einem Teil der Auflage ist eine Radierung von Bernd Lehmann beigelegt. Preis: 190 Euro mit Radierung / 50 Euro ohne Radierung. Zu beziehen exklusiv im Atelier Bernd Lehmann, Platenkamper Str. 12, 29643 Neuenkirchen-Tewel, http://www.bernd-lehmann.de

Wer noch einen Blick in die Ausstellung (Eintritt frei!) werfen möchte: Hier die Hessenschau:

http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?key=standard_document_44320775&jmpage=1&type=v&rubrik=5300&jm=5&mediakey=fs/hessenschau/20120322_1930_dylan +++

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