17.02.10 - LAUTERBACH - Wut und Entrüstung im Vogelsberg: Rund 80 Mitglieder der Entsorgungs-Initiative Schotten (EIS)demonstrierten am Mittwochnachmittag vor dem Verwaltungsgebäude des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis (ZAV). Grund sind die ihrer Ansicht nach chaotischen Verhältnisse in der Umsetzung des umstrittenen neuen Müllsystems. Die Demonstranten forderten lautstark den Rücktritt des ZAV-Vorstandes. "Hopp, Hopp, Kopp" skandierte die aufgebrachte Menge und meinte damit Freiensteinaus Bürgermeister Friedel Kopp, in Personalunion Vorstandsvorsitzender des ZAV-Verbandes. Er war heute nicht zugegen, da er im Urlaub weilt, erklärte Vorstandsmitglied Werner Boß. Dafür aber Dr. Hans-Jörg Fuchs und Werner Boß aus Grebenhain, der zumindest den Mut hatte, per Megaphon das Wort zu ergreifen. Fuchs schien es etwas die Sprache verschlagen zu haben, jedenfalls nutzte er die Möglichkeit nicht, Aufklärung aus ZAV-Sicht zu betreiben. Mit einem Pfeifkonzert und Schmährufen quittierten die Demonstranten das Verhalten von Fuchs. Ein Dutzend Polizisten beobachteten die friedliche Demonstration und bewachten auch den Eingang der ZAV-Stelle.
Der ZAV hatte vorsorglich seine Mitarbeiterinnen des Büros am Mittag nach Hause geschickt - aus Angst vor möglichen Ausschreitungen. "Die Kommunikation scheint nicht zu stimmen. Wir hatten zu einem Vorbereitungstreffen eingeladen, doch der ZAV kam nicht. Auch ZAV-intern gab es wohl Unstimmigkeiten. Dort wurde gedacht, dass 1.500 bis 2.000 Demonstranten kommen würden. Von Anfang an war klar, dass wir etwa 70 Leute sein werden", schildert Mike Riedner von "EIS". Er habe Verständnis, dass die MItarbeiterinnen ob der Antragsflut und der schlechten Informationspolitik überlastet und verängstigt seien. Dies sei die Konsequenz aus dem ZAV-Verhalten.
Riedner und sein EIS-Mitstreiter Wolfgang Wagner übergaben Fuchs einen Fragenkatalog mit 14 Fragen. Fuchs sagte zu, dass die Fragen bis zum 5. März beantwortet würden. Doch die Volksseele kochte weiter. "Wir wissen nicht mehr wohin mit unserem Müll. Wir haben keine Tonnen. Ich fahre demnächst hierher und schmeiße meinen Müll vor das ZAV-Gebäude", sagte eine wütende Frau gegenüber osthessen-news. Die erhöhten Müllgebühren und neuen Tonnen - sofern sie ausgeliefert sind - entrüsten die Vogelsberger. Sie wissen nicht, wie sie die veranschlagten 20 Liter pro Kopf und Haushalt an Müll produzieren sollen. "Das stinkt doch zum Himmel. Durch Mülltrennung habe ich fast keinen Restmüll mehr. Die wollen sich mit den riesigen Müllmengen bloß reich verdienen", sagte ein weiterer Schottener.
Grund sind die ihrer Ansicht chaotischen Verhältnisse in der Umsetzung des umstrittenen neuen Müllsystems. Auch Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab-Madeisky ist sauer: "Leider hat der ZAV über das, was passiert, vor allem aber warum es passiert, viel zu wenig oder gar nicht informiert", sagte sie. Weil die öffentlichen Einrichtungen Schottens bis heute keine Müllbehältnisse haben, sammelt der städtische Bauhof den Müll. Zudem bemüht sich die Stadt, ihren Bürgern bestmöglich zu helfen.
Nachfolgend veröffentlicht die Redaktion den Fragenkatalog der Entsorgungsinitiative Schotten (EIS) im Wortlaut mit entsprechendem Anschreiben (Hans-Hubertus Braune):
"ZAV
Herrn Dr. Hans‐Jörg Fuchs
Eselswörth 23
36341 Lauterbach
Schotten, am 17. Februar 2010
Betr.: Fragenkatalog zur Beantwortung durch den ZAV mit Bitte um
Beantwortung bis zum 5. März 2010
Sehr geehrter Herr Dr. Fuchs,
unter anderem bei der Informationsveranstaltung der Entsorgungs‐Initiative Schotten sind die folgenden Fragen gestellt worden, um deren Beantwortung wir bis zum 5. März 2010 bitten:
1. Wenn es, wie dem Pressegespräch des ZAV in der vergangenen Woche zu entnehmen war, laut Satzung angeblich gar nicht geplant war, Zweitwohnsitze beispielsweise von auswärts studierenden Familienmitgliedern bei der Berechnung der Tonnengrößen – und damit der Gebühren – zu berücksichtigen: Warum passierte dies dann doch und sorgt nun als Konsequenz dafür, dass dem Landkreis und den Städten und Gemeinden des Vogelsbergkreises ein finanzieller Schaden in Millionenhöhe entsteht, da sich die Zuweisungen reduzieren?
2. Noch immer stehen in Schotten und seinen Ortsteilen alte Mülltonnen. Wann werden diese abgeholt, und wie gedenkt der ZAV dies zu kommunizieren?
3. Bis wann wird das entstandene Problem mit zu groß angelieferten Mülltonnen behoben (Verschandelung der Innenstädte)?
4. Stimmt es, dass die riesigen Müllgefäße (360 Liter) im Herbst 2009 vor allem deshalb vom ZAV besorgt wurden, „weil sie gerade so günstig zu haben waren“?
"5. Es ist nunmehr geplant, dass im Lauf des Monats April vorläufige Gebührenbescheide zugestellt werden sollen. In welchem Monat sollen die endgültigen Gebührenbescheide zugestellt werden?
6. Da bislang vom ZAV keine Gebührenbescheide ergingen und daher auch keine Gebühren eingenommen werden konnten, aber auf der anderen Seite Firmen wie Veolia ihre Gelder verlangen, muss nunmehr ein Kredit aufgenommen werden. In welcher Höhe ergeben sich daraus anfallende
Zinskosten?
Der Vertrag mit der Deponie in Grund‐Schwalheim läuft dem, Vernehmen nach in diesem Jahr aus. Wann wird der neue Vertrag verhandelt, und kann man damit rechnen, dass die Gebühren dann wesentlich niedriger ausfallen werden als die bislang für den Vogelsbergkreis im Vergleich zu anderen völlig überhöhten?
7. Wie lange läuft der Vertrag des ZAV‐Geschäftsführers?
8. Wann legt der ZAV einen verbindlichen Finanzplan für die kommenden fünf Jahre vor?
9. Es gibt immer noch Bürger, die überhaupt keine Mülltonnen haben. Bis wann gedenkt der ZAV, diesen Missstand zu beheben?
10. In welchem Zeitraum werden die Einsprüche wegen zu groß gelieferter Mülltonnen bearbeitet
und diese ausgetauscht?
11. Gerade ältere Mitbürger können die teilweise übergroßen Tonnen (Papier) gar nicht bewegen, werden aber von den Müllwerkern – beispielsweise in Eichelsachsen „Am Hirzberg“ – lapidar darauf hingewiesen, dass sie die Tonnen über 100 Meter weit an die nächste größere Straße stellen müssen, weil sie sonst nicht geleert würden. Bis wann werden diese unzumutbaren Zustände abgestellt?
12. Wie und wann gedenkt der ZAV seine seit Monaten miserable Informations‐ und Kommunikationspolitik zu ändern?
Mit freundlichen Grüßen,
Mike Riedner
Sprecher Entsorgungs‐Initiative Schotten" (Ende Fragenkatalog). +++
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