03.02.10 - FULDA - Seit heute Morgen bewegt sich in Fulda nichts mehr - zumindest bei den Stadtbussen. Die Fahrer der VFG Verkehrsgesellschaft Region Fulda mbH, einer Tochtergesellschaft der ÜWAG, streiken auf Anregung der Gewerkschaft ver.di; die Fulda Bus GmbH, die den Regionalbusverkehr im Landkreis Fulda betreibt, hat sich aus Solidarität ebenfalls angeschlossen. Die Forderungen der Busfahrer: Bessere Arbeitsbedingungen und 6,5 Prozent mehr Lohn. Für viele, die auf den Bus angewiesen sind, ergeben sich - gerade bei der momentanen Witterung - aus dem Streik massive Probleme. Für Verhandlungskommissions- und Aufsichtsratsmitglied Horst Laibach ist der Warnstreik aber unvermeidlich: "Die Arbeitgeber haben sich seit dem letzten Streik im November 2009 kein Stück bewegt. Die Busfahrer können nicht mehr - sie leiden unter schlimmen Arbeitsbedingungen". Der Busverkehr soll noch mindestens bis heute Abend stillstehen. Zum Streikgebiet gehören neben Fulda auch Bad Soden-Salmünster, Schlüchtern, Steinau an der Straße sowie Sinntal.
"Die Arbeitgeber zahlen nicht einmal das, was der in unserem Bereich ohnehin niedrig angesetzte Tarifvertrag vorsieht - ein Tarifvertrag, der bereits 2003 gekündigt wurde", so Laibach. Teilweise müssten die Busfahrer viele Überstunden ableisten, um überhaupt über die Runden zu kommen. Dies sei auch ein sicherheitstechnisches Problem, da die Fahrer am Ende einer langen Schicht nicht mehr über genug Konzentration verfügten. "Der momentane Vorschlag der ÜWAG lautet: Fahrer müssen bis zu 14-Stunden-Schichten bei gleichzeitigem Pausenabzug leisten.Vielen unserer Busfahrer geht es schlechter als Hartz-IV-Empfängern", sagt Horst Laibach. Auf die Frage, wie lange der Streik andauern wird, gibt er keine definitive Antwort: "Mindestens bis heute Abend fährt hier niemand. Wir werden uns solange überlegen, ob wir den Streik weiter ausdehnen - noch liegt kein Angebot der Arbeitgeber vor."
Solidarität bei der Fulda Bus GmbH
Heute fallen noch mehr Busfahrten im Kreis Fulda aus: nicht wegen Schneefolgen, sondern wegen "Solidarität": Wie der Geschäftsführer der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft (LNG), Ulrich Stüttgen, heute Morgen mitteilte, seien die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Fulda Bus GmbH solidarisch in den Streik der Busfahrer der ÜWAG eingetreten. Deshalb müssten heute während des gesamten Tages alle Fahrten auf den Buslinien mit den Nummern 20ff, 40ff und 60ff entfallen.
Die Busse im Raum Hünfeld, Burghaun, Eiterfeld, Rasdorf und Nüsttal sowie Neuhof, Flieden und Kalbach dagegen würden wie geplant witterungsbedingt erst ab 12:00 Uhr mittags verkehren. Stüttgen sagte, die LNG bitte die Fahrgäste um Verständnis für diese Lage.
Kritik der ÜWAG
„Es ist nicht hinnehmbar, dass die Gewerkschaft auf dem Rücken der Fahrgäste ihre überzogenen Forderungen durchzusetzen versucht“, kritisiert Dipl.-Ing. Thomas Lang, Leiter der ÜWAG-Verkehrsbetriebe, den unangekündigten Ausstand in einer entsprechenden Pressemitteilung. „Gerade bei dem kalten und schneereichen Winterwetter, das aktuell herrscht, ist dieser unangekündigte Warnstreik eine absolute Rücksichtslosigkeit und unverantwortlich gegenüber den Fahrgästen“, so Lang. Es bestehe bereits ein Angebot des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmer (LHO), das eine Lohnsteigerung von vier Prozent für 26 Monate, Verbesserungen bei den Pausenregelungen, Entschädigungen und eine Begrenzung für geteilte Dienste sowie eine Vereinbarung über eine fixe Grundvergütung deutlich über dem Niveau der jüngsten Tarifabschlüsse vorsehe. Der LHO habe die Gewerkschaftsvertreter aufgefordert, über den vorgeschlagenen Kompromiss weiter zu verhandeln; er verurteile die unangekündigten und überflüssigen Streiks im öffentlichen Personennahverkehr.
Für kurzfristige Informationen zum Streik, seinen Auswirkungen und seinem Ende haben die ÜWAG-Verkehrsbetriebe eine Telefon-Hotline eingerichtet. Unter der Rufnummer 0661 12-375 gibt es aktuelle Auskünfte. (dz) +++

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