Wahl-Endspurt der Parteien: Ansprache, Präsente und eine "rot-grüne Jugendaktion"

26.09.09 - FULDA - Unter dem Eindruck von - offenbar noch sehr vielen - unentschlossenen Wählern legten sich die Parteien heute überall - und nicht nur in Fulda, wo die folgenden Bilder entstanden - noch einmal richtig "ins Zeug". Dabei warben sie mit unterschiedlichen Mitteln für ihre politischen Ziele. Die Grünen ließen "taube Nüsse" knacken, die SPD war in der Fußgängerzone schon nach drei Stunden ihre "Give aways" los, die LINKE versuchte es mit verbaler Überzeugung und am Bahnhofsplatz war die FDP mit einem gelben Zelt präsent.

Trotz aller "Stand-Präsenz" - was richtige Aktionen ausmacht, war bei fast allen jedoch "Fehlanzeige". Mit einer Ausnahme: die Jusos und die Grüne Jugend fanden sich zur "gemeinsamen Sache", warben für eine Energiewende in Deutschland und den Atomausstieg unter dem Motto „Schwarz-Gelb ist gefährlich“. Da hatten die Samstagseinkäufer ab 12 Uhr richtig was zu gucken: sie trugen weiße Overalls, die Strahlenschutzanzüge darstellten und führten gelb lackierte „Atomfässer“ mit, denn in solchen Stahlbehältern wird der - durch Kernenergie anfallende - radioaktive Abfall gesammelt und endgelagert.


Provokativ fragten die Teilnehmer der Aktion Passanten, ob sie denn diesen Müll nicht großzügigerweise auch bei sich zu Hause lagern würden, skandierten „Atomkraft? Nein Danke!“ und „Unsere Kinder sollen lachen, nicht strahlen“. In der parteiübergreifenden Initiative warnten Jusos und Grüne Jugend davor, dass bei einer möglichen Bundesregierung aus Union und FDP der Atomausstieg rückgängig gemacht werden könnte. Aber nicht nur vor dem über tausend Jahre strahlenden Abfall wurde gewarnt: Kernkraftwerke stellen nach Ansicht beider Gruppen auch Ziele für Terroranschläge dar.

Bei der friedlich verlaufenen Veranstaltung wurde das "vorbildliche Verhalten der Aktivisten" - nach Angaben der Teilnehmer - von der Polizei gelobt. Sehr zufrieden über die Aktion äußerten sich auch die beiden Initiatoren aus SPD und Die Grünen: “Wir haben nicht damit gerechnet, so viele Leute mobilisieren zu können. Allein die Tatsache, dass fast 30 Personen an der Aktion teilnahmen und die insgesamt sehr positive Resonanz hier in der Innenstadt sind für uns ein Riesenerfolg.”, sagte Deborah Kottusch (17) von der Grünen Jugend. “Es hat auch gezeigt, dass die meisten Menschen in unserem Alter begriffen haben, dass in der Zukunft neue Wege eingeschlagen werden müssen. Regenerative Energien haben Zukunft”, ergänzte Christopher O’Connor (19) von den Jusos.

Übrigens: der Spruch „Schwarz-Gelb ist gefährlich" könnte koalitionstechnisch durchaus doppeldeutig gemeint gewesen sein. In der Vergangenheit war der Samstag vor dem Wahl-Sonntag immer der "krönende Abschluss" des Wahlkampfes - danach war Ruhe im Karton und die Bewerber in Warteposition bis zu ihren Stellungnahmen nach 18 Uhr. Doch wie es scheint, ist dies 2009 anders: wie zu hören war, wird der Einsatz um die Wählerstimmen den einen oder anderen Kandidaten sogar noch am Sonntag beschäftigen.

Und der CDU-Abgeordnete Brand hat sich eine spezielle Erinnerung ausgedacht: in einigen Bäckereien werden Ein-Portions-Döschen mit Marmelade und seinem Bild an die sonntäglichen Frühstücksbrötchen-Käufer verteilt. Da hat der umtriebige Christdemokrat aber nicht an die - doch vielbeschworene - Politikverdrossenheit gedacht: könnte die Wahlwerbung bis an den Frühstücksteller manchem Bürger nicht den Appetit verderben ? (ma / gw) +++



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