12.06.10 - Bad Königshofen - 18 Interessierte haben am Montagabend in Bad Königshofen den Verein „Grabfelder e.V.“ gegründet. In den kommenden zwei bis drei Jahren wollen die Mitglieder das Regionalgeld mit dem Namen „Grabfelder“ einführen, ein Gutscheinsystem für die im Verein organisierten Mitglieder. Es soll die Wirtschaftskraft im Grabfeld stärken. Der "Grabfelder" ist in der Währung dem Euro gleichgestellt. Allerdings wird es nur Scheine im Wert von einem, fünf, zehn, zwanzig und 50 Grabfeldern geben. Kleingeld wird in Euro ausgezahlt werden. Das Regionalgeld „Grabfelder“ wäre das erste Regionalgeld in Unterfranken. Bislang gibt es deutschlandweit 50 Regionalgeldinitiativen, von denen 30 bereits Regionalgeld ausgeben. Dazu gehören der Taubertaler, die Regiomark oder auch der Chiemgauer.
Bildunterschrift: Die Vorstandschaft des neugegründeten Vereins „Grabfelder e.V.“ (von links): Kassenprüfer Dietmar Jucht und Herbert Häcker, Vorsitzender Peter Picciani, Schriftführerin Jutta Tholen und Kassier Matthias Fries. Foto: Friedrich.
"Der ´Grabfelder´ orientiert sich satzungsmäßig am ´Chiemgauer´ ", sagte der neue Vorsitzende des Vereins, Peter Picciani. Der "Grabfelder" soll die regionalen Produkte stärken. Vorsitzender Peter Picciani nannte als Beispiel den Bäcker, der mit Regionalgeld sein Mehl beim Müller im Grabfeld kauft, der wiederum die Zutaten von den Biobauern im Grabfeld bekommt und die dann wiederum beim Bäcker einkaufen. Der "Grabfelder" bindet damit die Kaufkraft an die Region und verhindert den Kapitalabfluss aus der Region. Peter Picciani hatte zuvor darauf verwiesen, daß es in nächster Zeit wohl massive Probleme mit dem Euro geben werde. Mit dem Regionalgeld könne man dem entgegensteuern.
Unterfranken sei, was das Regionalgeld angeht, bislang noch immer ein weißer Fleck. „Wir fangen im Grabfeld an,“ sagte Peter Picciani und erwähnte Gespräche mit Dr. Jörg Geier vom Landratsamt Rhön-Grabfeld und der Allianz Grabfeldgau. Sie alle würden hinter der Idee des Regionalgeldes stehen. Auf die Frage aus der Versammlung inwieweit es Rhön-Grabfeld weit Regionalgeld geben könnte, sagte Picciani, daß dies verworfen wurde, man zunächst den Bereich des Altlandkreises Königshofen abdecken wolle. Das Regionalgeld müsse von Bürgern und Unternehmern angenommen werden. Juristisch gesehen sei es kein Geld, sondern lediglich ein Zahlungsmittel, eine Art Gutscheinsystem. „Mitglied ist, wer mit dem Grabfelder bezahlt,“ sagte der neue Vorsitzende. Man werde sich auch dem Dachverband Regiogeld e.V. anschließen.
Picciani hatte zuvor informiert, daß nicht „von heute auf morgen“ das Regionalgeld „Grabfelder“ eingeführt werden kann. Die Geldscheine müssten unter anderem kopiersicher sein und auch sonst müssten entsprechende Auflagen erfüllt werden. Seit 2003 sei der „Chiemgauer“ im Umlauf und habe mittlerweile eine jährliche Zunahme von 100 Prozent. Klar sei auch, daß nicht jeder Betrieb den Grabfelder sofort einführen könne, da es ja ein Kreislauf sein soll. Der Vorsitzende berichtete von der Umlaufsicherung, die sich bei zwei Prozent pro Quartal einpendelt. Bei einem Rücktausch sei ein Regionalbeitrag von fünf Prozent fällig. Dreifünftel werden zur Förderung gemeinnütziger und ökologischer Projekte verwendet, zweifünftel dienen der Deckung der Druck- und Verwaltungskosten.
Peter Picciani erwähnte kurz die Ziele des Regionalgeldes, das die Kundenbindung an regionale Produkte und regionale Handelsstrukturen vorsieht. Es schaffe Bewusstsein für den Umgang mit Geld und Wirtschaftsmechanismen. Wichtig sei dabei auch die Gründung einer Werbeplattform zur regionalen Vermarktung der Produkte. Etwas das neu aufgebaut werden muß und in einer Broschüre zu finden sein wird. Letztendlich bietet Regionalgeld erstmals einen ökologischen und nachhaltigen Wirtschaftsimpuls, da die Transportwege minimiert werden. Im Landratsamt habe Landrat Thomas Habermann von einer „zündenden Idee“ gesprochen, die aus dem Grabfeld kommt. Angesprochen hat Peter Picciani noch einmal den Chiemgauer, wo es mittlerweile sogar eine Regiocard gibt. Selbst Firmen im Chiemgau würden schon ihre Mitarbeiter in „Chiemgauer“ auszahlen.
"Was jetzt als nächstes ansteht ist das „Klinkenputzen“ bei den örtlichen Firmen und Geschäftsleuten", sagte der neue Vorsitzende. Hier müsse sicher Überzeugsarbeit geleistet werden. Immerhin sei wohl eine doppelte Kassenführung notwendig. 18 Unterschriften lagen schließlich für die Vereinsgründung vor und die Mitglieder wählten einstimmig Peter Picciani zum Vorsitzenden, Stellvertreterin ist Christin Hofmann aus Bad Neustadt von der Allianz Grabfeldgau, Schriftführerin Jutta Tholen, Kassier Matthias Fries. Kassenprüfer sind Dietmar Jucht und Herbert Häcker. Peter Picciani dankte denn auch abschließend und meinte, daß es gut sei zu wissen, viele Leute an seiner Seite zu haben. Nun geht es als nächstes darum, daß der Verein seine Rechtsfähigkeit erlangt und dem Dachverband beitritt. Einig wurde man sich, daß Fördermitglieder pro Jahr 50 Euro, Firmen und Geschäfte 70 Euro zahlen und Mitglieder, die im Verein mitarbeiten einen Beitrag von jährlich 20 Euro zahlen. Jeden ersten Montag im Monat treffen sich Interessierte im Hotel Schlundhaus ab 20 Uhr zum zwanglosen Gespräch und Gedankenaustausch. Dabei wird der Vorsitzende auch aktuell berichten. (hf) +++
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