10.07.07 - Fulda - Ganz aktuell hat der zuständige Richter am Fuldaer Landgericht Peter Krisch auf Anfrage von osthessen-news bestätigt, dass der republikanische Kreistagsabgeordnete Bernhard Plappert heute Mittag gegen Auflagen mit einer elektronischen Fußfessel aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Nach einem Haftprüfungstermin sei der Haftbefehl gegen den 59-Jährigen außer Kraft gesetzt worden. Plappert stehe aber unter Hausarrest, dürfe nur für Arztbesuche das Haus verlassen und habe 5.000 Euro Kaution hinterlegen müssen. Als Grund für die Entlassung trotz "gravierender Vorwürfe und Fluchtgefahr" gab Krisch den lädierten Gesundheitszustand des Beschuldigten an. Der Richter stellte einen baldigen Verhandlungsbeginn vor dem Fuldaer Landgericht in Ausicht.
Hintergrund zu Hausarrest und elektronischer Fußfessel
Die elektronische Fußfessel wird am Fuß- oder Handgelenk des Verdächtigten befestigt. Sie sendet Radiowellen aus, die von einem Kontrollgerät im Haus aufgefangen und per Telefon an Polizei oder Justizbehörden weitergemeldet werden. Verlässt der Täter das Haus, schlägt das Gerät Alarm. Die Fessel läßt sich nicht abstreifen, ihre Energie bezieht sie aus einer wasserdicht verpackten Batterie. Um Manipulationen zu verhindern, wechselt das Gerät ständig die Frequenzen und löst beim Versuch des Abstreifens Alarm aus. Der Arrest in den eigenen vier Wänden ist trotz des technischen Aufwandes erheblich günstiger als ein Gefängnisaufenthalt.
„Irgendwann war Bernhard Plappert einfach nicht mehr da“, hatte sein Republikanerkollege und Fuldaer Stadtverordnete Anton Josef Rummel auf die heutige Frage von osthessen-news geantwortet, seit wann seiner Partei denn bekannt war, dass der 59-jährige Plappert bereits seit 2 Monaten in Untersuchungshaft in der JVA in Fulda einsaß. Plappert, der die rechte Partei seit 1993 im Fuldaer Kreistag vertritt (Foto am 25.02.2007 im Kreistag) und auch als stellvertretender Landesvorsitzender fungiert, wirft die Staatsanwaltschaft Fulda gewerbsmäßige Hehlerei und bandenmäßigen Anbau von Betäubungsmitteln vor.
Staatsanwalt Harry Wilke bestätigte , dass Plappert im Verlauf der U-Haft bereits mehrere Teilgeständnisse abgelegt habe. So habe er zugegeben, einen Bunker in Hessisch Lichtenau zum Drogenanbau angemietet zu haben. Die professionelle Hanfplantage zur Gewinnung von Marihuana war im März 2006 aufgeflogen, als die Bewässerungsanlage einen großen Wasserschaden verursacht hatte.
Zusätzlich soll der Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft mehrere Einbrüche in Auftrag gegeben haben – darunter im März vor zwei Jahren bei einem Militaria-Sammler in Neuhof-Giesel, um die dort erbeuteten Orden, Säbel und andere Militaria als Hehlerware zu veräußern.
Die zweimonatige Untersuchungshaft sei einerseits durch dringenden Tatverdacht und zusätzlich durch Fluchtgefahr des Beschuldigten gegeben, sagte Harry Wilke. Der Haftgrund liege auch durch die zu erwartende Höhe des Strafmaßes - das nach „vorsichtiger Schätzung“ des Staatsanwaltes nicht unter fünf Jahren liege - vor. Andererseits verfüge Plappert auch über gute Kontakte ins Ausland und habe sein Haus verkaufen wollen.
Zu den massiven Vorwürfen der Staatsanwaltschaft wollte sich Plapperts Fraktionskollege Rummel heute nicht konkret äußern, bezweifelte aber, ob die U-Haft bei einem Beschuldigten mit CDU-Parteibuch auch so hart ausfallen würde. „Plappert ist ein schwer kranker Mann“, fügte Rummel hinzu. In einer Stellungnahme seiner Partei heißt es wörtlich:
"Herr Bernhard Plappert ist mit Wirkung zum 15. Mai 2OO7 von allen Parteiämtern und mit Wirkung zum 2. Juli 2OO7 auch von seinem politischen Ehrenamt zurückgetreten. So hatte Herr Plappert zuletzt noch ein Mandat im Landkreisparlament inne.
Die Herrn Plappert vorgeworfenen Straftaten sind durch nichts zu beschönigen. Unverständlich ist aber, wieso ein Schwerkranker weiterhin in U-Haft bleiben muß, wenn er kaum mehr eine Treppe hinaufgehen kann. Fraglich ist, ob dies mit Fluchtgefahr alleine noch begründet werden kann oder ob es etwa daran, liegt, daß Herr Plappert das falsche Parteibuch hat? Da wir eine Partei von Recht und Ordnung sind gilt für uns zunächst einmal die verfasssungsrechtlich gebotene Unschuldsvermutung bis zu einer etwaigen rechtskräftigen Verurteilung. Ob es dazu kommen wird, ist angesichts des Gesundheitszustandes von
Herrn Bernhard Plappert jedoch ungewiß. Der Vertreter der Partei Die Republikaner bittet Presse und Öffentlichkeit um rücksichtsvollen Umgang gegenüber der Familie in dieser schwierigen Situation.
gezeichnet:
Anton J. Rummel
Stadtverordneter der Republikaner Fulda " +++
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