04.01.09 - FULDA - Das Wahl-Marathonjahr wirft seine Schatten voraus: acht Landtagswahlen, eine Europa- und eine Bundestagswahl werden dem deutschen Wählervolk viel abringen - und den Landes- und Bundespolitikern vielleicht noch mehr Substanz angesichts der Vielfalt der Auftritte quer durchs Land. Deshalb war es auch nur naheliegend, dass die GRÜNEN-Bundesvorsitzende Claudia Roth bei ihrer Stippvisite heute Morgen im Fuldaer Museumscafe nicht nur zum Frühstücken kam, sondern auch noch einige Wünsche in Richtung Gesundheit ("..eine Gesundheitsversorgung, die nicht vom Geldbeutel abhängt"), Bundes- und Weltpolitik im Museumsgewölbe bei den etwa 70 Gästen daließ. Vom "Frieden in einer unfriedlichen Welt" bis hin zur Ablösung von Bundeskanzlerein Merkel ("Vollbremserin beim Klimaschutz") oder auch mehr Geld für die Hartz IV-Empfänger ("..mit drei Euro pro Tag kann niemand überleben, das ist Working poor, also arm arbeiten") reichten die Themen. Ach ja, und weil ja in Hessen am 18. Januar Landtagswahl ist, wurden die Osthessen darauf eingestimmt, denn schließlich sei dies die erste Wahl des Jahres und da könne man "einiges bewegen".
Auf die Krisenherde der "unfriedlichen Welt" ging Roth ganz am Anfang ein. Irak, Kongo oder die Situation im Nahen Osten seien geeignet, einen "Flächenbrand" auszulösen. Große Trauer empfinde sie angesichs der neuen israelischen Bodenoffensive, aber scharfe Kritik übte sie auch an den "nicht akzeptablen Raketenangriffen der Hamas" mit großen Verlusten unter der Zivilbevölkerung. Es gebe "keine Alternative zu einem schnellen Waffenstillstand".
"Ich wünsche uns Erfolge in der kommenden politischen Auseinandersetzung" sagte Claudia Roth. Dabei seien eigentlich die Themen in Hessen nicht anders als vor einem Jahr. Der früheren SPD-Chefin Ypsilanti warf sie vor, dass Hessen "ein anderes Land" geworden wäre, wenn sie die ökologischen und ökonomischen Chancen "nicht verspielt" hätte. Die Grünen seien deshalb "heute wichtiger und bedeutender als je zuvor" meinte die Bundeschefin.
Im Mittelpunkt ihrer halbsstündigen Rede standen dabei drei entscheidende Krisen: die Finanz-, Klima- und Ernährungskrise, die alle miteinander zu tun hätten. Deren Dramatik sei "unglaublich groß", meinte Roth und kritisierte in scharfer Form die Bundeskanzkerin, die sich als "Klima-Queen" feiern lasse und dabei in Wirklichkeit eine "Vollbremserin beim Klimaschutz" sei. "Ganz schlimm" ist nach Meinung von Roth auch die Nahrungsmittelkrise, denn Hungersnöte und Flüchtlinge seien auch ein Grund für Gewalt und Kriege. Und fast am Ende forderte sie in Deutschland "Mehr Bildung, Bildung und Bildung statt kaputt zu sparen" und setzte sich für eine Stärkung der Kaufkraft ein, statt mit drei Euro Lohn pro Tag bei den Hartz IV-Empfängern "arm zu abeiten" (Working poor).
Viel Beifall gabs nach der halben Stunde und die beiden Fuldaer Landtagskandidaten der Grünen, Margaretha Hölldobler-Heumüller und Helmut Schönberger freuten sich über den Besuch von Claudia Roth, die "immer gerne nach Fulda kommt". Und zur Stärkung gabs ein paar Rhöner Spezialitäten sowie ein kleines Rhönschaf aus Wolle, dessen Kopf wie im Original noch schwarz gefärbt war, aber - übertragen auf den Wahlkmapf - vielleicht schon bald "nach grün" wechselt. (ma). +++ |