18.08.08 - LAUTERBACH - Wie ein Hollywoodstar wurde Physik-Nobelpreisträger Prof. Peter Grünberg von den rund 950 Schülerinnen und Schülern des Alexander-von-Humbold (AvH) Gymnasiums in Lauterbach (Vogelsbergkreis) empfangen. Es wurde geklatscht, gejubelt und überall zückten die Pennäler ihre Foto-Handys, um den Besuch des 69-Jährigen zu dokumentieren. Denn vor gut 50 Jahren legte er am AvH seine Abiturprüfung erfolgreich ab. "Das ist ein großartiges Gefühl, wieder hierher zu kommen, ich bin geplättet von dem riesigen Empfang", beschrieb Grünberg heute Morgen seinen ersten Eindruck gegenüber osthessen-news. Heute Abend soll dem berühmten Physiker, der durch die Entdeckung des GMR-Effekts die Grundlage für moderne Festplatten gelegt hat, die Ehrenbürgerwürde der Stadt Lauterbach zugesprochen werden. "Das ist eine hohe und seltene Auszeichnung. Prof. Grünberg ist erst der Zweite, dem diese Ehre zuteil wird", erklärte Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller gegenüber osthessen-news.
Vom Förster zum Physiker
Beim Besuch der Schule stellte sich der Nobelpreisträger den Fragen der Schüler. Diese wollten etwa wissen, ob "Physiker" schon als Kind immer sein Traumberuf gewesen ist. "Ich habe mich zwar immer für Astronomie interessiert, aber an Physik habe ich überhaupt nicht gedacht. Ich wollte Förster werden, am liebsten in den Alpen", so Grünberg. Seine Liebe zur Physik habe er gegen Ende der Schulzeit entdeckt. "Als Oberstufenschüler habe ich gewusst, dass ich Physik studieren will". Auch, was der Nobelpreisträger für Hobbys hat, wollten die Gymnasiasten wissen. Früher habe er Fußball gespielt, heute spiele er noch Golf. "Ein Kollege hat immer gesagt: Je älter der Mann, desto kleiner die Bälle", scherzte der 69-Jährige.
"Sympathischer Mann, der auf dem Boden geblieben ist"
Die Schüler zeigten sich begeistert von dem berühmten Physiker. "Er ist ein sympathischer Mann, der trotz seines Nobelpreises auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist", so eine Schülerin und eine andere: "Man muss das jetzt erstmal verarbeiten, dass man so einen richtigen Nobelpreisträger getroffen hat". Auch Ursula König, die vor 41 Jahren mit Prof. Grünberg, zusammen in den Urlaub gefahren war, kam heute zum Empfang des Nobelpreisträgers. "Es ist ein sehr schönes Gefühl, die alten Erinnerungen wieder aufleben zu lassen".
Grünberg wird zum Ehrenbürger ernannt
Nach dem Zusammenkommen mit den Schülern ging es für Prof. Grünberg gleich weiter. In der Aula der Sparkasse Oberhessen hielt er einen Vortrag, danach schloss sich ein Schulrundgang mit Mitschülern aus seiner eigenen Schulzeit an. Am Nachmittag wird der Nobelpreisträger sich mit Physik-Schülern in der Qualifikationsphase zu einem Fachgespräch treffen, bevor er sich dann heute Abend um 19 Uhr ins Goldene Buch der Stadt Lauterbach eintragen darf und zum Ehrenbürger der Kreisstadt ernannt wird.
Der GMR-Effekt
Prof. Peter Grünberg und Albert Fert von der Universität Paris-Süd entdeckten 1988 in voneinander unabhängiger Arbeit den GMR-Effekt (englisch: giant magnetoresistance "Riesenmagnetwiderstand") . Dafür wurden sie 2007 beide mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. In der Praxis wird dieser Effekt beim Beschreiben moderner Festplatten benutzt. "Der Effekt beruht darauf, dass sich mit der Drehung auch der elektrische Widerstand ändert", erklärte Grünberg heute Morgen vor den Schülern und ergänzte: "Das wäre jetzt zu kompliziert zu begründen; das ist halt so". (jd). +++ |