Lob, Bekenntnisse, ein Hauch Kritik: Eröffnungsfeier als "Hüttenabend"

27.06.08 - WANDERTAG - Als emotionales, beschauliches Bekenntnis zum gemeinschaftsfördernden Wandern, zur Natur und zur regionalen Heimat präsentierte sich gestern Abend im Fuldaer Schlosstheater die Eröffnungsfeier des 108. Deutschen Wandertages in Fulda und der Rhön. Die Redner der Feier betonten - vor schätzungsweise 450 Gästen - allesamt den Wert des Wanderns für die Menschen und die Bedeutung des - vor 125 Jahren in Fulda begründeten - Deutschen Wanderverbandes für das Wanderwesen und den Naturschutz in Deutschland. Die erwarteten Aktivitäten beim Wandertag fasste Fuldas OB Möller zusammen: beim Wandern Geselligkeit pflegen, Freunde treffen, über Verbandsarbeit nachdenken und neue Impulse im Kulturellen vermitteln. Die Eröffnungsfeier war als eine Art "geselliger Hüttenabend" gestaltet worden.

Zum hörbaren Erstaunen zahlreicher Wanderfreunde bekräftigte die Präsidentin des „Gastgebervereins“ Rhönklub, Regina Rinke, dass die Organisatoren „das feste Ziel haben“, den Wandertag 2007 in Saarlouis „zu toppen“. Rinke merkte - als einzige der Rednerschar - auch eine Kritik an: auf eine finanzielle Unterstützung des Freistaates Bayern, direkt von der Landesregierung oder über Lottomittel - wie aus Hessen und Thüringen - warte man „bis heute vergeblich“. Die Rhönklubpräsidentin, die von ihrem Heimatbezirk Unterfranken eine Förderung für die Großveranstaltung bekam, mutmaßte: „München ist weit - und wenn man dort auf dem Briefkopf vom Rhönklub liest, der Sitz ist in Fulda (Hessen), dann wandert der Brief gleich in den Papierkorb.“

Der - vom Moderator des Abends, dem Fuldaer Heimatdichter Günther Elm so benannte - „1. Wanderer Deutschlands“, Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, konnte in seiner Begrüßung feststellen, dass mit dem Eintreffen des Wanderwimpels aus der letzten Wandertagsstadt Saarlouis „traditionell die Voraussetzung für die Eröffnung des neuen Wandertags erfüllt ist“.

Rauchfuß hieß als Präsident des Deutschen Wanderverbandes alle Ehrengäste namentlich willkommen und erklärte, die Vielfalt der Aktivitäten und des Engagements der organisierten Wanderfreunde komme im Motto des diesjährigen Treffens „125 Jahre Wandern und mehr“ besonders treffend zum Ausdruck. Einen besonderen Dank richtete Rauchfuß an Regina Rinke, die sich seit mehreren Jahren „in aufopfernder Weise“ für diesen Wandertag eingesetzt habe. Der Wanderpräsident wünschte allen Teilnehmern „schöne Tage, angenehme Begegnungen und wunderbare Erinnerungen“.

Der Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller zeigte sich erfreut, dass Fulda und die Rhön - nach 1958 und 1983 - wieder einmal „Austragungsort“ des Deutschen Wandertages sei, gerade im Jahr des großen Jubiläums. Fulda sei nicht nur Tagungsort der deutschen katholischen Bischöfe und Sitz des Deutschen Evangelischen Kirchentages, sondern auch Sitz des Rhönklubs - und fühle sich daher der Wanderbewegung ebenfalls eng verbunden.

Der Fuldaer Oberbürgermeister sprach - unter Bezug auf Artikel in den deutschlandweiten Blättern Frankfurter Rundschau und Frankfurter Allgemeine Zeitung - von einer Renaissance des Regionalen, dem konzentrierten Interesse vieler Menschen an besonders schönen, langen Wanderwegen - wie ihn diese Gegend mit dem „Hochrhöner“ ja habe -, der Suche nach unmittelbaren Naturerlebnissen, von der Zukunft des Wanderns und der Erkenntnis, dass sich die Deutschen, Untersuchungen zufolge, verstärkt dem eigenen Lebensumfeld, der eigenen Region zuwenden würden. Möller würdigte das Wandern als eine „Gegenwelt zum Rationalen und zum Alltag“ und rief zur Entdeckung von Fulda und der Rhön auf, die auch bei dem Großereignis den eigenen Anspruch verfolgten, besonders gastfreundlich zu sein.

Stellvertretend für gleich fünf Landkreise der Rhön in Thüringen, Bayern und Hessen - Wartburgkreis, Schmalkalden-Meiningen, Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen und Fulda - begrüßte der Fuldaer Landrat Bernd Woide alle Gäste „im Herzen Deutschlands“. Er erinnerte daran, dass die schmerzliche Teilung Deutschland auch durch die Rhön gegangen sei. Das Motto „125 Jahre Wandern und mehr“ treffe auch für die Rhön zu: die Menschen in dieser Landschaft hätten erfahren, wie wertvoll und schön es sei, sich treffen und austauschen zu können.

Wandern verbinde die Menschen und schaffe Kontakte - und es sei gut, dass man sich heute bei Wandertouren nicht mehr frage: Sind wir in Hessen, Bayern oder Thüringen? Landrat Woide rief die Wandertagsteilnehmer aus den anderen Bundesländern auf, nicht nur die schöne Landschaft zu genießen und das umfangreiche Festprogramm zu nutzen: „Suchen Sie den Kontakt mit den Menschen der Rhön - Sie werden Offenheit, Zugewandtheit und viel Freude erfahren“.

Rhönklubpräsidentin Regina Rinke begann ihr Grußwort mit dem Geständnis, mit der Pressekonferenz vorm Start des Wandertages am Mittwoch sei „ein tonnenschwerer Basaltbrocken“ aufs Parkett des Fuldaer Stadtschlosses gefallen. Seit 2005 hätten Helfer des Rhönklubs, Mitarbeiter und sie selbst für das Gelingen dieses Treffens gearbeitet. Für die Aussage, „Nun hat der Zug zum 108. Wandertag den ICE-Bahnhof Fulda verlassen und rollt unaufhaltsam dem Ziel entgegen, das da heißt: wir wollen Saarlouis toppen“, erhielt Rinke allerdings mehr erstaunte „Oho“- und „Uih“-Ausrufe als Beifall.

Die Präsidentin dankte im folgenden allen Förderern und Sponsoren, die durch finanzielle oder personelle Unterstützung des Zustandekommen des Wandertages ermöglicht hätten. Rinke nannte eine „Unzahl von Bettelbriefen“, die abgesandt wurden, kritisierte die mangelnde Unterstützung durch das Land Bayern und konnte dennoch insgesamt erfreut feststellen: „Ich habe nicht gewusst, dass der Rhönklub in der Region so hoch angesehen ist. Wie gut, dass es echte und zuverlässige Freunde an vielen Orten gibt.“ Die Rhön – in der Ausdehnung von Ost nach West nur 50 Kilometer und von Nord nach Südnur 70 Kilometer – sei „klein aber fein“, sagte Regina Rinke und rief den Wanderfreunden zu: „ Kommen Sie und erleben Sie die Schönheit unserer Heimat“.

Die Glückwünsche für „125 Jahre in Bewegung“ überbrachte als letzter Redner der Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins, Ludwig Wucherpfennig. Er beteuerte, wie „hervorragend sich unsere Verbände ergänzen“, sagte aber zugleich, dass Wanderverband und Alpenverein „weitgehend die gleichen Ziele verfolgen“. Seine Organisation, 139 Jahre alt und 800.000 Mitglieder umfassend, betätige sich in der Alpenregion Deutschlands, habe aber auch in der Rhön und bei Würzburg 2 eigene Hütten. Während der Wanderverband in den Mittelgebirgen unzählige Kilometer Wanderwege betreue, die die Alpenvereinsmitglieder auch nutzen, sei dies umgekehrt in den Hochalpen ebenso. Für die Pflege dieses Wegenetzes habe der Bundespräsident 2007 beiden Verbänden ausdrücklich gedankt.

Umrahmt waren die Grußworte von einem wanderverbandsgemäßen Programm, das Günther Elm als "Hüttenabend" bezeichnete. So wie bei diesen Zusammenkünften wolle man sich gemeinsam erfreuen. In seiner Moderation brachte Günther Elm den Gästen die fuldische und Rhöner Mentalität über allerlei Anekdoten und Witze näher und amüsierte damit das Publikum.

Die musikalische Gestaltung aus den 3 Länderteilen der Rhön fiel ausgesprochen traditionell aus: Streutaler Musikanten, Feierabendsänger Oberweißenbrunn, die Kindertanzgruppe des Rhönklub Zweigvereins Künzell, die Rhöner Spräublöaser und die Kleinsassener Stuwemusigg bekamen für ihre Beiträge, die sich stets um das Thema Wandern, Heimat, Natur und Geselligkeit drehten, viel Applaus. Weshalb das Schlosstheater nur zu etwa 60 Prozent mit Veranstaltungsteilnehmern gefüllt war, offenbarte eine Wanderfreundin am Ende im Vorbeigehen: „Ach, unsere Männer sind ja all beim Fußball“ sagte sie und meinte wahrscheinlich, dass jene abwesenden Herren der Schöpfung da was verpasst hätten.

(Gabriele Weigand-Angelstein) +++


Eröffnungsfeier des 108. Deutschen Wandertags im...

Fotos: Hendrik Urbin

...Fuldaer Schlosstheater, in dem sich rund 450 Gäste versammelt hatten

Durch das Programm, das als "Hüttenabend" gestaltet war, führte launig Günther Elm

Natürlich war er auch da: der Wandertagswimpel, der von der Wimpelgruppe unter großem Beifall hereingebracht wurde

Die Kindertanzgruppe des Rhönklub Zweigvereins Künzell erhielt besonders viel Applaus

Der Präsident des Deutschen Wanderverbandes, Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß konnte...

...viele Ehrengäste begrüßen

Blasmusik und Rhöner Liedgut: von den Streutaler Musikanten aus Heufurt...

...den Feierabendsängern Oberweißenbrunn ..

...und den Rhöner Spräublöasern

Der Fuldaer Oberbürgmeister Gerhard Möller freute sich über erneuten "Austragungsort" Fulda

Die 6-jährige Lena und der 7-jährige Marius vom Rhönklub Zweigverein Künzell trugen ein Gedicht vor und bekamen einen Riesen-Beifall

Auch die Kindertanzgruppe - unter Leitung von Anette Heil - wurde...

...mit Begeisterung aufgenommen

Der Fuldaer Landrat Bernd Woide sprach für 5 Kreise in Hessen, Bayern und Thüringen

"Frisch auf, frisch auf, du Wandersmann" von den Feierabendsängern

Die Rhöner Spräublöaser intonierten mit "Ich weiß basaltene Bergeshöh'n"...

...die "heimliche Hymne" der Rhön

"Sie gibt dem Verband Herz und Seele", sagte der Moderator zum Engagement der Rhönklubpräsidentin Regina Rinke

Während die meisten ganz entspannt der "Kleinsassener Stuwemusigg" lauschen konnten ...

...mussten einige "nebenbei" noch arbeiten

Der Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins, Ludwig Wucherpfennig

Sanfte Klänge aus Kleinsassen



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