AKTUELL! Nächtliches Bahnhof-Chaos: ICE-Reisende wussten nicht wohin

31.05.08 - FULDA - Die vergangene Nacht dürfte für einige tausend Fahrgäste der Bahn AG in "lebhafter Erinnerung" bleiben. Das Unwetter gestern Abend in verschiedenen Regionen Hessens führte zu umgestürzten Bäumen, zerstörten Oberleitungen und damit zu blockierten Strecken, auf denen mehrere ICEs buchstäblich blockiert waren. Die Folge: viele Reisende erreichten nicht planmäßig ihr Ziel, mussten stundenlang in stehenden Zügen ausharren und wussten am Ende dann doch nicht wohin die "Reise" weiterging.

Gegen 20.00 Uhr waren auf der Bahnstrecke Frankfurt Richtung Fulda zwischen Niederrodenbach und Niedermittlau (bei Langenselbold im Main-Kinzig-Kreis) Bäume gefallen und blockierten nicht nur den Bahnverkehr, sondern zerstörten auch die Oberleitungen. Zwei vollbesetzte ICE mit etwa 600 Fahrgästen konnten nicht weiterfahren und wurden evakuiert. Die Bahn bemühte sich darum, Busse für die Reisenden zu organisieren und sie weiterzutransportieren.

Die Streckenblockaden führten auch zur massiven Benachteiligungen von Zügen, die unterwegs waren: sie konnten nicht mehr weiterfahren, wurden auch in Osthessen gestoppt ... und dann begann eine Wartezeit, die den Fahrgästen viel Geduld abverlangte. Wie es wirklich weiterging wusste niemand. In Fulda standen mehrere ICE stundenlang im Bahnhof. Viele der Fahrgäste stiegen entnervt aus, fühlten sich von der Bahn AG schlecht betreut und versuchten "auf eigene Faust", ihr Ziel zu erreichen.

So wirkte der Fuldaer Bahnhof nach Mitternacht wie ein Ameisenhaufen, in dem Menschen rein und raus gingen, obwohl er doch normalerweise ab Mitternacht geschlossen ist. Ob aus Wiesbaden, Frankfurt, Eisenach oder Kassel rollten Privatwagen vor und Eltern, Bekannte oder Freunde holten die wartenden Angehörigen ab. Wer Glück hatte, konnte beim ICE-Zugbegleiter sogar einen Taxi-Schein für die kostenlose Heimfahrt ergattern. Nicht wenige aber versuchten es auf eigene Faust, fuhren mit Taxen teilweise über 100 Kilometer ("Wer will noch mit nach Frankfurt fahren?...") oder machten sich müde und abgekämpft auf die Suche nach einem Hotelzimmer. "Wissen Sie, wo es noch ein freies Bett gibt" wurde der ON-Reporter mehrfach gefragt - und er konnte dank örtlicher Kenntnisse weiterhelfen, wenngleich die "Bettensituation" ziemlich knapp war. So gesehen dürfte die "Nachtschicht" der Fuldaer Taxen sicher einen guten Umsatz gemacht haben.

Kurz vor 01.00 Uhr fuhr dann ein Regionalzug mit etwa 200 Fahrgäste in Richtung Süden - aber nur bis nach Schlüchtern. Dann sollte es mit Bussen weitergehen, denn in Fulda hatte die Bahn dem Vernehmen nach "keine bekommen". Und gleichzeitig warteten vor dem Bahnhof immer noch viele auf eine "privaten Anschlüsse", während auf Gleis 2 und 3 weitere ICE mit hunderten Fahrgästen standen und auf eine freie Strecke hofften. Es war eine aufregende Nacht mit buchstäblich vielen Umwegen - für die Bahn und ihre Kunden. (sf). +++


Wie geht es weiter? Dutzende Fahrgäste ....

Fotos: Stefan Fleischer

...nach Mitternacht vor dem Fuldaer Bahnhof

Der ICE "Baden Baden" auf Gleis 1 ...

... zum Warten verurteilt...

Diese Nacht werden die Reisenden nicht so schnell vergessen....

Gegen 0.45 Uhr ein Regionalzug für 200 Reisende - aber nur bis Schlüchtern...

Machten wohl gute Geschäfte: Fuldas Taxifahrer...

...und wer Glück hatte, den holten Eltern oder Freunde ab...

Kurz nach 01.00 Uhr ... wohin soll ich gehen: Taxi, Bekannte oder ins Hotel...

...andere standen stundenlang auf Gleis 2 und 3 im Fuldaer Bahnhof....

Fotos (2): Vincenzo Contini



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