Trendthema Energie: "Heizen mit Sonnenlicht"- Holzhaus LERG baut Zukunftshäuser

27.03.07 - Fulda - Obwohl viele den diesjährigen Winter vermisst haben, freuten sich die meisten Hausbesitzer wohl über den geringen Heizöl- oder Gasverbrauch. Ob der nächste Winter mild oder knackig kalt wird, das steht noch in den Sternen, aber dass die Preise für fossile Energieträger in den nächsten Jahren immer weiter steigen werden, ist unumstößlich.

Viele Eigentümer überlegen sich daher, auf neue Art zu heizen. Gerade in Zeiten, in denen die Erderwärmung als globales Problem im neuen Jahrtausend - oft sogar in einem Atemzug mit den Gefahren des internationalen Terrorismus - genannt wird und die EU der Automobilindustrie scharfe Auflagen zu den Kohlendioxid-Emissionen macht, will auch so mancher Bürger den Ausstoß des Treibhausgases reduzieren. Reduzieren? Das ist für Michael Horstmannshoff, ein ehemaliger Kunsterzieher , der jetzt als Planer arbeitet, nicht genug: "In meinem Haus kann man vollkommen kohlendioxidneutral, aber dennoch warm, komfortabel und kostengünstig wohnen".


Gleich vier Sachen auf einmal - das kriegt man nicht mal beim Überraschungsei. Aber erst mal ganz von vorne: Michael Horstmannshoff wohnt schon seit 1999 in einem sogenannten "2,5-Liter Haus". Das heißt: der Jahresenergiebedarf beträgt nicht mehr als 2,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter (m²). Bei älteren, "konventionell" gebauten Häuser liegt dieser Wert bei etwa 35 Litern Heizöl pro m².

Nun hat Horstmannshoff zusammen mit dem auf Holzhäuser spezialisierten Bauunternehmer Harald Lerg (Bad Salzschlirf / Kreis Fulda) ein neues Projekt ins Leben gerufen, das sich "BauLux" nennt. Zum einen soll der Name auf die geographische Lage des Projekt hinweisen, denn es befindet sich im Fuldaer Stadtteil Aschenberg in der Luxemburgerstraße. Zum anderen ist "lux" das lateinische Wort für Licht - und dieses stellt für die Bauherren das wichtigste "Bauelement" dar.

Allein mit der Kraft der Sonne ist es nämlich möglich das Haus, selbst im Winter, komplett zu heizen. Das Haus selbst ist quasi wie ein riesiger Sonnenkollektor konstruiert. Große Fenster auf der Südseite lassen energiereiche Sonnenstrahlung ins Haus. Die Wärme, die dadurch ins Haus kommt, darf jedoch, damit sie erhalten bleibt, nicht mehr "aus dem Haus gelassen" werden. Um die nötige Speicherung zu gewährleisten, ist einerseits eine gute Isolation des Hauses notwendig, und zum anderen darf bei dem Luftaustausch nach außen möglichst keine Energie verloren gehen.

Die Häuser werden - bis auf das Erdgeschoss - in der Holzrahmen-Bauweise errichtet. Bei dieser Art des Bauens benötigt man nur schmale Wände. Die Wand-Zwischenräume werden mit Cellulose-Schnipseln (alte Zeitungen) gefüllt, die eine höhere Dichte als Mineralwolle haben und somit sehr gute Dämm- und Speichereigenschaften aufweisen. Gut isoliert müssen auch die Fenster sein: Eine Dreischeiben-Schutzverglasung sorgt dafür, dass die Wärme im Haus bleibt.

Die Häuser werden so gut abgedichtet, dass normalerweise nicht genügend Sauerstoff von außen hereinkommen könnte. Die Dichtigkeit wird durch den sogenannten Blower-Door-Test überprüft. Dies ist ein Lecktest, welcher die Luftdichtheit des Gebäudes misst. Nur wenn dieser Test bestanden wird, kann das Haus die Wärme halten. Damit jedoch ein Luftaustausch stattfindet, befinden sich im Haus mehrere Ventile, die für einen ständigen Luftaustausch sorgen. "Die Luft wird alle zweieinhalb Stunden komplett ausgetauscht", so Horstmannshoff.

Eine Wärmepumpe sorgt dafür, dass die Wärme der Luft - bevor sie nach draußen geht - in einem Puffer gespeichert wird und somit in den "kalten Stunden" beziehungsweise zur Erwärmung von Wasser genutzt werden kann. Sollte es doch noch mal vorkommen, dass die Eigenenergie nicht ausreicht, kann der Puffer günstig durch Nachtstrom aufgeladen werden.

Wo viel Licht ist, da gibt es normalerweise auch Schatten. Also wo ist der Haken an der ganzen Sache? "Es gibt keinen. Die Kosten sind mit 1.300 Euro/m² Wohnfläche auch nicht teurer als bei konventionell gebauten Häusern". Das Problem sieht Horstmannshoff vielmehr in der deutschen Mentalität : "Es wird noch viel zu traditionell gebaut. Ein Mentalitätswandel ist zwar spürbar, hat sich aber noch nicht eingestellt". Außerdem seien die Bebauungspläne in der Bundesrepublik viel zu starr beziehungsweise veraltet: "Alle beteiligten Instanzen, einschließlich der Nachbarn, mussten zum Bau der Häuser ihre schriftliche Zustimmung abgeben", so der Planer.

Auch habe die Energiewirtschaft eine starke Lobby in der Politik: "Die Energieriesen wollen doch, dass wir Energie und Rohstoffe verbrauchen, ansonsten würden sie kein Geld verdienen." Horstmannshoff fordert, dass mehr sparsame Geräte und Häuser entwickelt werden, die extrem wenig Energie brauchen, statt Subventionen in ineffiziente Energien wie Windkraft auf dem "flachen Land" zu stecken. "40 Prozent der Energie gehen zudem durch Überlandleitungen verloren, man sollte statt großen Kraftwerken lieber viele kleine, aber dezentrale Kraftwerke, Biogasanlagen und ähnliches, errichten."

Für Susanne Viebrock, die mit ihrem Mann und einem Kind in das Haus neben dem Wohngebäude von Horstmannshoff einzieht, ist die Schonung der Ressourcen eine Art Lebensphilosophie: "Zum gesund leben gehört für mich auch das gesund wohnen".

Gebaut werden die Häuser vom Bauunternehmer Harald Lerg ( http://www.lerg-holzhaus.de ). Seit über zehn Jahren Jahren baut das Unternehmer ökologische Holzhäuser in Blockbauweise. Aber die hier vorgestellte Holzrahmenbauweise ist ein Spezialgebiet der Firma. Lerg Holzhaus setzt auf Individualität und Wertbeständigkeit der Häuser. Bauherr Horstmannshoff kann nur Gutes über das Unternehmen berichten: "Herr Lerg ist ein ganz korrekter Mensch und ein bodenständiger, zuverlässiger Bauunternehmer". (Julian Dern) +++


Insgesamt entstehen drei Solarthermik-Häuser.

Alles Fotos: Julian Dern

Susanne Viebrock und Michael Horstmannshoff genießen den Ausblick.

Blick von oben auf die Luxemburgerstraße.

rechts: Bauunternehmer Harald Lerg prüft den Baufortschritt.

Querschnitt einer Wand: Die Thermo-Holzdämmung ermöglichst schmale Wände bei hoher Dämmwirkung.

Die Wände werden noch mit OSB-Platten verkleidet und die Hohlräume werden anschließend mit den Cellulose-Schnipseln aufgefüllt.

Die Sparrenhöhe beträgt 30cm.

Um Unter- und Obergeschoss zu verbinden, soll hier eine Stahlspindel-Treppe entstehen.

Die Fenster sitzen nicht im Mauerwerk, sondern in der Dämmebene.

Cellulose-Schnipsel (alte Zeitungen) dienen als Dämmstoff.

Dreifach Wärmeschutzverglasung lässt auch im kalten Winter keine Wärme aus dem Haus entweichen.

Die Fensterrahmen werden winddicht abgeklebt.

In diesem Raum sind die Wände schon mit OSB-Platten verkleidet.

Hohlräume in der Außenfassade sorgen für eine gute Durchlüftung, damit die Wand nicht feucht wird.

In diesen Öffnungen werden noch Lüftungsventile angebracht, ...

... die Luftaustausch ohne Wärmeverlust ermöglichen.

Blick auf Maberzell.

Susanne Viebrock und Michael Horstmannshoff genießen den Ausblick.

Um die Sonnenernegie nutzen zu können, ist fast die gesamte Südseite verglast.

Um einen Carport mit Fahrstuhl nach oben zu errichten wurde ein Teil des Berges abgetragen.



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