| 09.02.10 - TISCHTENNIS - Am Wochenende fühlte er sich pudelwohl in der Trainerrolle – Jörg Roßkopf war beim Europe TOP 12 in Düsseldorf, beim dem sich immerhin fünf DTTB-Spieler in der kontinentalen Elite tummelten und mit dem Odenwälder Timo Boll der hohe Favorit siegte, die dominierende Figur am Rande der Bande. Einer seiner Schützlinge war Frickenhausens Spitzenspieler Bastian Steger, der allerdings in der Gruppenphase scheiterte. Bis zum Dienstagabend muss der künftige deutsche Herren-Bundestrainer den Schalter umgelegt haben. Dann nämlich ist seine TG Hanau im Abstiegskampf der Bundesliga gefordert und braucht einen „Rossi“ in Bestform, um im „Ländle“ zu bestehen. Pikanterweise könnte „Mr. Tischtennis“ dabei auf eben jenen Bastian Steger treffen.
Beim TTC Frickenhausen, seit der fristlosen Entlassung des China-Kroaten Tan Rui Wu kurz vor Jahreswechsel selbst angeschlagen, muss eigentlich ein Erfolg her, da der TGH das Wasser inzwischen bis zum Hals steht. Durch die unglückliche Niederlage gegen Werder Bremen selbst auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht, hat sich die Lage gewissermaßen durch Fremdeinwirkung weiter zugespitzt: Neben sämtlichen zehn DTTL-Klubs haben nämlich auch zwei Zweitligisten ihre Anwartschaft auf einen Platz in der Beletage des deutschen Tischtennissports bekundet - die erste Ausschlussfrist für die Bewerbung zur Bundesligasaison 2010/11 lief am 1. Februar aus. Und Nord-Tabellenführer TTC Ruhrstadt Herne sowie – dies die eigentliche Überraschung – Süd-Zweiter TSV Gräfelfing lassen derzeit wenig Zweifel daran, dass die Bewerbungen keiner Bierlaune entsprungen sind, sondern in der festen Absicht erfolgten, fortan erstklassig zu spielen.
Natürlich ist der Kuchen längst noch nicht verteilt. Die DTTL hat als Lizenzliga – auch zum Schutz der Arbeitnehmer, also der Spieler – weitreichende Mechanismen installiert, um die Leistungsfähigkeit der Klubs zu zertifizieren. Im nächsten Schritt müssen sämtliche Kandidaten – sprichwörtlich betrachtet – die Hosen herunterlassen und sich auf Herz und Nieren prüfen lassen. Wie im Profifußball werden dann Lizenzen verteilt oder verweigert beziehungsweise an Auflagen oder Bedingungen geknüpft. Und es wird wohl auch dieses Jahr wieder wirtschaftliche Wackelkandidaten geben. Allerdings kann sich das Lizenzierungsverfahren noch über Monate hinziehen - abgewiesene Bewerber können Widerspruch einlegen oder bekommen Fristen zur Nachbesserung des Etats gesetzt.
Sollte sich die TG Hanau nicht aus eigener Kraft den sportlichen Ligaverbleib sichern können, also – nach derzeitigem Stand – die Rivalen aus Jülich und Bremen hinter sich lassen, wird man lange im Unklaren darüber sein, ob man 2010/11 erst- oder zweitklassig – letzteres mit Sechsermannschaften und völlig anderem Spielsystem – sein wird.
Vertragsverhandlungen zu führen und Neuverpflichtungen zu tätigen, derzeit ist der Markt richtig in Bewegung, ist angesichts dieser Unsicherheit eine Aufgabe, um die man die TGH-Verantwortlichen um Manager Johannes Herrmann wahrlich nicht beneiden kann.
Dabei sah es – zumindest bis zum 2:3 gegen den SV Werder – richtig gut aus. Eine solide und im Wachstum begriffene Sponsorenbasis – ein großer Pluspunkt der Brüder-Grimm-Städter gegenüber den meisten Ligakonkurrenten – würde es ermöglichen, die Truppe qualitativ aufzurüsten, so dass im zweiten Jahr der Erstklassigkeit höhere Ziele als bloß der Klassenverbleib anvisiert werden könnten. Johannes Herrmann beschreibt die Problematik, lässt jedoch keinen Zweifel daran, für beide Fälle Pläne in der Schublade zu haben: „Wir planen zunächst für die DTTL und werden bei einem möglichen Abstieg einen sofortigen Durchmarsch mit den verpflichteten Spielern starten. Sollte der eine oder andere Spieler nicht in der 2. Bundesliga spielen wollen, werden wir weitere starke Spieler der 2. Liga an uns binden.“
Die Sorgenfalten auf der Stirn von Johannes Herrmann würden sicher etwas weniger werden, wenn sich seine Truppe durch einen Sieg in Frickenhausen im Ringen um den Klassenverbleib zurückmelden würde. Zwei Punkte im sportlichen Überlebenskampf, die man in dieser „Woche der Wahrheit“ – am Freitagabend steht die Partie beim Erzrivalen Jülich an – sogar noch vergolden könnte. Zum Saisonstart gab es in eigener Halle ein unglückliches 2:3 gegen die damals personell noch besser aufgestellten Schwaben – Hanau präsentierte sich dabei auf Augenhöhe.
Mit Bastian Steger hat Frickenhausen einen „Riesen“ – trotz seiner Körpergröße von knapp 1,70 Meter – im Team, der nur schwer zu bezwingen ist. Im Hinspiel stand Jörg Roßkopf aber dicht vor einem Sieg gegen „Basti“. Der 18-jährige Kenta Matsudaira gilt als eines der größten Talente weltweit, versagte aber in der Hinserie komplett und blamierte sich mit einer indiskutablen 1:8-Bilanz. Sollte er sich wieder stabilisiert haben, ist der kleine Japaner mit den spektakulären Aufschlägen aus der Hocke auch nicht leicht zu „knacken“. Als „Notnagel“ für den gefeuerten Tan rutschte der 21-jährige Schwede Fabian Akerström ins Team. Der unscheinbar wirkende Materialspieler ist aber kein Nobody, sondern immerhin aktueller schwedischer Nationalspieler.
Die im Jahr 2010 noch sieglosen Frickenhausener – es setzte Niederlagen in Jülich und im Derby gegen Plüderhausen – benötigen dringend ein Erfolgserlebnis, um nicht selbst noch in den Abstiegsstrudel zu geraten. Andererseits könnte der Tabellenfünfte (10:12 Punkte) bei einem Sieg weiterhin von den Play-Offs träumen. TTC-Präsident Rolf Wohlhaupter-Hermann erwartet ein „Schlüsselspiel, das unser Team unbedingt gewinnen muss, um nicht in große Schwierigkeiten zu kommen.“ Und Trainer Jian Xin Qiu signalisiert Entschlossenheit: „Meine Mannschaft hat hart trainiert und wird alles geben, dieses Vier-Punkte-Spiel zu gewinnen.“ Dennoch möchte die Hampl-Truppe die volle Ernte von vier Zählern binnen drei Tagen einfahren. Johannes Herrmann räumt aber ein: „Wir stehen nun natürlich besonders unter Druck und müssen uns in dieser Situation beweisen.“
Ein Silberstreif am Horizont zeichnet sich immerhin ab. Schien die Personalsituation in Bezug auf einen Einsatz des sich mit einer Gelenkprellung herumschlagenden Spitzenspielers Chiang Hung-Chieh am Freitag noch kritisch - Hermann: „Leider sah es bei seiner Abreise nach Asien nicht gut aus, die Verletzung schleppt er seit dem Spiel gegen Grenzau mit sich herum“ -, konnte der TGH-Manager am Samstag Entwarnung geben: „Chiang spielt.“ Trainerfuchs Helmut Hampl kann also personell in dieser richtungsweisenden Woche aus dem Vollen schöpfen. Das ist gut so, denn man braucht kein Prophet zu sein, um festzustellen, dass bei Niederlagen in Frickenhausen und Jülich der Klassenerhalt wohl fast nur noch am grünen Tisch zu bewerkstelligen wäre. (Dr. Stephan Roscher) +++
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