1,7 Kilometer Biogas-Leitung und neue Heizungsanlage im Schulzentrum

 

 

 

 

04.12.08 - EITERFELD - „Wir reden nicht nur über die Nutzung regenerativer Energien und fordern sie von anderen ein, sondern wir werden auch selbst tätig.“ Mit diesen Worten lobte Landrat Bernd Woide seine Umweltpolitik. Anlass dafür war Inbetriebnahme einer mit Biogas betriebenen Heizungsanlage im Schulzentrum Eiterfeld. Nach der vor kurzem in Betrieb gegangenen Holzhackschnitzel-Heizanlage in Hofbieber unterstreiche damit der Landkreis Fulda ein weiteres Mal seinen Anspruch, auf kommunaler Ebene etwas gegen die steigende CO2 –Belastung zu tun. Windkraftwerke in der Rhön zum Umweltschutz sollen nach dem Willen des Landrates allerdings weiterhin keine Chance haben.

Herzstück der Anlage im Eiterfelder Schulzentrum sind drei hochmoderne Mikrogasturbinen des Berliner Unternehmens Greenvironment, die Bio-Energie in Strom und Wärme verwandeln. Im Auftrag des Landkreises Fulda sorgt das ÜWAG-Tochterunternehmen SynEnergie für die bedarfsgerechte Wärmeversorgung der Lichtbergschule, der zugehörigen Kreissporthalle, der Grundschule sowie zweier benachbarter Kindergärten. Die Bereitstellung des Biogases, mit dem die Anlage betrieben wird, übernimmt der Landwirt Volker Hilpert aus Eiterfeld. Gegenüber dem Landkreis tritt die SynEnergie als Contracting-Partner auf. Das heißt, sie kümmert sich um die bedarfsgerechte Wärmeversorgung und den optimalen Betrieb der Anlage inklusive Service- und Instandsetzungsarbeiten und erhält hierfür eine feste Contracting-Rate.

Aus Biogas wird Strom und Wärme

Das Biogas für den Betrieb der Mikrogasturbinen wird in einer bestehenden Anlage auf dem Hof Hilpert außerhalb von Eiterfeld durch die Vergärung von Silage und Gülle erzeugt. Über eine neu verlegte, rund 1,7 Kilometer lange unterirdische Leitung gelangt das Biogas zur Lichtbergschule, wo es in Strom und Wärme umgewandelt wird. Die im Prinzip wie ein kleines Flugzeugtriebwerk funktionierenden Hightech-Mikrogasturbinen stellen 330 Kilowatt Wärmeleistung und 195 Kilowatt elektrische Leistung zur Verfügung. Die Turbinen-Anlage hat inklusive eines Öl-Heizkessels rund 150.000 Euro gekostet.

„Die Mikrogasturbinen bieten den Vorteil, dass sie besonders effizient, sauber und geräuschwarm arbeiten“, informiert der Kreis Fulda in einer Pressemitteilung. Außerdem sei die neue Technik sehr langlebig und wenig wartungsintensiv. Durch die Verwendung des Biogases als Brennstoff werde die Anlage praktisch CO2 –neutral betrieben. Ein zusätzlicher Öl-Heizkessel kann in Spitzenlastzeiten zur Unterstützung der Mikrogasturbinen zugeschaltet werden und bei Bedarf – beispielsweise Wartungsarbeiten – die Wärmeversorgung vorübergehend auch komplett übernehmen.

Akteure vor Ort mit Vorbildfunktion

Bei der Begrüßung der Gäste zur Feierstunde im Musiksaal, die vom Chor der Grundschule unter Leitung von Stephanie Weber-Huff umrahmt wurde, äußerte Schulleiter Hartmut Dönch die Hoffnung, dass Schüler und Lehrer immer warme Füße hätten. Landrat Woide konnte sich angesichts der verschneiten Winterlandschaft kein besseres Wetter für die Inbetriebnahme einer Heizungsanlage vorstellen, bei deren anstehender Erneuerung man ganz bewusst von einer konventionellen Lösung Abstand genommen habe. Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich griff die Überlegung auf, dass die Akteure vor Ort eine Vorbildfunktion bei der Nutzung regenerativer Energien hätten. Nach Überzeugung des Anlagenbetreibers Hilpert komme gerade der Schule und dem Kindergarten die Aufgabe zu, für nachhaltiges Denken zu sensibilisieren.

Anlage im regionalen Schulterschluss

Diplom-Ingenieur Ludwig Montag, Geschäftsführer der SynEnergie, sprach von einer zukunftsweisenden Anlage, die im regionalen Schulterschluss verwirklicht worden sei. Die dahinter stehende Technik der Wärme-Kraft-Koppelung ermögliche einen Wirkungsgrad von 85 Prozent. „Dass wir auf Biogas aus einer bestehenden Anlage zurückgreifen können, macht das hier umgesetzte Energie-Konzept in höchstem Maß effizient und somit ökonomisch und ökologisch interessant“, sagte Geschäftsführer Montag. +++


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