 | | Eine Burg voller Leben.... |
 | | Zahlreiche Ehrengäste waren zum Festakt des 55-jährigen Bestehens der Akademie Burg Fürsteneck gekommen |
 | | Bei der geistlichen Einstimmung (v. links): Bischof Dr. Martin Hein, Weihbischof Dr. Karlheinz Dietz und Probst Dr. Sigurd Rink |
 | | Die Seelsorger feierten mit den Gästen eine ökumenische Andacht |
 | | Die Jubiläumsansprache hielt der 1. Vorsitzende des Trägerkreises, Professor Dr. Wolfgang Metzler |
 | | Der Vorsitzende des Deutschen Kulturrates und Direktor der Akademie Remscheid, Professor Dr. Max Fuchs hielt den Festvortrag |
 | | Direktor Günter Schmuck (rechts) freut sich über die Finanzierungszusage des Fuldaer Landrates Bernd Woide |
 | | Mittelalterliche Musik aus der Entstehungszeit der Burg spielte das Ensemble "Ony Wytars (v. links): Marco Ambrosini mit der Schlüsselfidel, Katharina Dustmann mit der Sanduhrtrommel, Peter Rabanser mit der Ud |
 | | Prof. Walter Sons, der schon Teilnehmer der Eröffnungsveranstaltung 1953 war, leitete das Ensemble "Glasmusik" |
 | | Die beeindruckende Burghalle "Otto Bartning-Halle" |
 | | Modern gestaltet, aber mit historischer Atmosphäre - die neugestalteten Teilnehmerzimmer |
 | | Modernste Technik im sanierten Denkmal: der Computer-Schulungs-Raum |
 | | Die mittelalterliche Trutzburg Fürsteneck - heute Weiterbildungsort für alle Wissensdurstigen |
 | | Die Mischung aus zeitgemäßen Seminarmöglichkeiten und historischem Ambiente inspiriert |
 | | Während des Umbaues wurde auch ein Flurgang saniert und neugestaltet |
 | | So sah es während des Umbaues aus... |
 | | ...der während des stets weiterlaufenden Seminarbetriebs bewältigt werden musste |
 | | So sah die Burg Fürsteneck im Jahr 1949... |
 | | ...vor dem Umbau zur Bildungsstätte aus |
| 02.06.08 - EITERFELD - "Fünfundfünfzig und kein bisschen leise..." - Mit dieser schmunzelnden Charakterisierung bezeichnete sich das Team der BURG FÜRSTENECK selbst zum 55-jährigen Bestehen. Die Bildungseinrichtung in Eiterfeld (Kreis Fulda) mit hoher Ausstrahlungskraft über Hessen hinaus hatte zum "unrunden Geburtstag" geladen, weil das 50-jährige Bestehen wegen der begonnenen Arbeiten zu Sanierung und Modernisierung der Anlage nicht groß gefeiert werden konnte. Umso schöner fiel jetzt die Feier aus, da sich die Räume der Akademie für berufliche und musisch-kulturelle Weiterbildung nach abgeschlossener fünfjähriger Sanierung und millionenschwerer Modernisierung nun "in neuem Glanz" präsentieren konnte.
Begeisterung für die Aufgabe "Menschenbildung"
Bei dem Festakt zum Jubiläum und einem Symposium zum Themenkreis "Bildung - Künste - Kultur" wurde deutlich, warum trotz mancher - meist finanzieller - Schwierigkeiten in den vergangenen fünf Jahrzehnten diese besondere Bildungseinrichtung Bestand hat: weil der pädagogische Anspruch, die ständige Bereitschaft zur eigenen Entwicklung, Begeisterung für Kultur und Kunst sowie "Leidenschaft und Weitblick" für die Aufgabe geistig-seelischer Menschenbildung die Arbeit der Mitarbeiter und Dozenten unter Direktor Günter Schmuck prägt.
Nach fünf Jahren intensiver Bautätigkeit präsentiert sich die Akademie Burg Fürsteneck in "neuer Pracht". Alle 46 Unterkunftszimmer und große Teile der Seminar und Aufenthaltsbereiche wurden von Grund auf neu hergestellt. Die Bauzeit glich einer „Operation am offenen Herzen“, wie Direktor Günter Schmuck erklärte, da währenddessen der Seminarbetrieb nahezu unvermindert weiter lief.
Zusätzlich wurden bei den Bauarbeiten gravierende Baumängel an der Burganlage aus dem 13. Jahrhundert - etwa die nötige Sanierung des einsturzgefährdeten Daches - festgestellt und behoben. Möglich wurde der Abschluss der Baumaßnahme durch die Förderung des Landes Hessen und erhebliche Zuwendungen aus dem Trägerverein. Insgesamt wurden mehr als 3,2 Millionen Euro investiert.
Schon zur Gründung: Phantasie und Unerschrockenheit
Die Unerschrockenheit gegenüber baulichen Problemen zeichnete den Trägerkreis schon bei der Gründung der Bildungsstätte vor 55 Jahren aus: „Wir hatten Phantasie genug, uns die mit schlechtem Viehbestand besetzten Ställe als Küche, Speisesaal, Unterrichtsraum und Bibliothek, eine ausgebrannte Scheune als Feierhalle oder uns die mit Ratten bevölkerten Speicher als Schülerwohnräume vorzustellen“, beschrieb Ministerialrätin Johanna Spangenberg die Anfangszeit der Bildungsarbeit auf Burg Fürsteneck.
Gemeinsam mit Pfarrer Hermann Schafft und dem Pädagogen Gustav Huhn wollte sie nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus eine demokratische Bildungsstätte nach dem Vorbild der Skandinavischen Heimvolkshochschulen ins Leben rufen. Und Burg Fürsteneck wurde dann auch die erste und einzige "Heimvolkshochschule" in Hessen - wo im Gegensatz zu den örtlichen Volkshochschulen die Kurse nicht "ambulant" angeboten wurden, sondern die Teilnehmer während ihrer Seminare und Workshops in der Burg wohnen konnten. Für viele eine Chance, losgelöst vom Alltag, sich ganz auf den Inhalt des Kurses, die eigene Lernfreude und die Gemeinschaft der Weiterbildungswilligen zu konzentrieren.
Es gelang, einen bis heute in Deutschland einmaligen Trägerkreis im Sinne eines „Runden Tisches“ unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen zusammen zu bringen, und mit dem Bauhaus-Architekten und Vorsitzenden des Deutschen Architektenbundes Otto Bartning einen der besten Architekten der Zeit zur Realisierung des Umbaus zu gewinnen. Dessen Motto „ein klarer Geist wächst in leeren Räumen“, war auch für die jetzige Modernisierung durch den Architekten Alfred von Soden stilprägend.
Architektur, die "Blick nach innen" fördert
Erreicht wurde eine Architektur, die durch sorgfältige Materialauswahl wie geölte Dielenböden, kleine Details wie alte Lichtschalter aus Bakelit, speziell angefertigte Möbel aus heimischer Buche und die handwerkliche Solidität der Ausführung besticht, zugleich aber durch ihre Zurückhaltung den Blick auf die historische Burg, die offene Landschaft der Vorderrhön und vielleicht sogar einen Blick nach innen frei lässt. Dem Denkmalschutz wurde in allen Bereichen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Wegen der Bauarbeiten war das 50-jährige Jubiläum fast unbeachtet verstrichen. So feierte die Akademie für berufliche und musisch-kulturelle Weiterbildung nun im Zusammenhang mit dem Abschluss der Bautätigkeit 55 Jahre Bildungsarbeit auf Burg Fürsteneck am Freitag mit einem Festakt, zu dem sich etwa 150 Menschen in der Burghalle versammelt hatten. Politiker, Vertreter der Kirchen, der Gewerkschaften und der Presse, Kollegen aus anderen Bildungseinrichtungen sowie ehemalige und jetzige Mitarbeitende waren der Einladung gefolgt.
Eine ökumenische Einstimmung wurde durch Bischof Prof. Dr. Martin Hein (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck), Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez (Bistum Fulda) und Probst Dr. Sigurd Rink (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) als Mitgliedern des Trägerkreises gestaltet.
Zusage für weitere Finanzierung von Landrat Woide
Der Fuldaer Landrat nutzte sein Grußwort zu einer weiteren finanziellen Zusage über die Summe von 40.000 Euro, um den durch die Sanierung freigewordenen zweigeschossigen Dachraum des Palas-Gebäudes mit seinem spektakulären 9-Säulen-Dachstuhl zu einem Seminarraum zu ermöglichen. Und der Vorsitzende des Deutschen Kulturrates, Prof. Dr. Max Fuchs, leitete im Festvortrag die Notwendigkeit kultureller Akademien auch auf wissenschaftlicher Grundlage her.
55 Jahre erfolgreiche Bildungsarbeit auf Burg Fürsteneck waren auch deshalb möglich, weil sich die Mitarbeitenden nie damit zufrieden gaben, sich auf Erreichtem auszuruhen, sondern stets auf der Suche nach den aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Bildungserfordernissen waren - diese Einschätzung hoben mehrere Gratulanten hervor.
Und so schloss sich auch jetzt unmittelbar an den Festakt ein zweitägiges Symposium zur Bedeutung und Wirkung von Bildung, Künsten und Kultur an. Ausgerichtet wurde es in einer bisher einmaligen Zusammenarbeit von den evangelischen Akademien Arnoldshain und Hofgeismar, der katholischen Akademie Bonifatiushaus Fulda, dem Zentrum Weiterbildung der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Akademie Burg Fürsteneck.
Forum über Bedeutung von Bildung und Kunst für Gesellschaft
Mit Referaten und in Forumsdiskussionen wurde von den über 50 Fachleuten der Bedeutung von Bildung und Künsten für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppierungen nachgegangen. Das Interesse der Wirtschaft an kultureller Bildung wurde ebenso untersucht, wie der Zusammenhang von Kultur und Kirche oder die Auswirkungen der Pisa-Studie auf die Allgemeinbildung. Die Vorträge und Ergebnisse sollen zusammengefasst und veröffentlicht werden und werden dann ihre Wirkung auf die Bildungsarbeit über Burg Fürsteneck und über die Hessische Bildungslandschaft hinaus entfalten.
Kulturell begleitet wurde die Veranstaltung durch das Ensemble für Alte Musik „Oni Wytars“. Die Musiker Marco Ambrosini, Katharina Dustmann begeisterten die Teilnehmenden mit ihrer perfekt dargebotenen Musik aus der Entstehungszeit der Burganlage im 13. und 14. Jahrhundert auf Schlüsselfidel, alten Zupf- und Blasinstrumenten, Dudelsack, Gesang und Percussion.
Einen musikalischen Kontrast dazu bildete das avantgardistische „Glasmusik-Ensemble“ unter der Leitung von Prof. Walter Sons, der als einziger der jetzigen Teilnehmer auch schon die Eröffnung der Burg als Heimvolkshochschule im Jahr 1953 miterlebt hatte. Beeindruckend war ein Gespräch mit der Installationskünstlerin Madeleine Diez, die ihre Arbeiten aus Stahl und Erde vorstellte und sich den fachkundigen Fragen der Gäste stellte.
Goethe-Universität Frankfurt trat Trägerverein bei
Während des Festaktes konnte der 1. Vorsitzende des Trägervereins Prof. Dr. Wolfgang Metzler den Beitritt der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main zu dem Trägerverein der Akademie Burg Fürsteneck verkünden, der die bildungspolitische Bedeutung der Akademiearbeit noch einmal unterstreicht. Mit der Frankfurter Universität richtet Burg Fürsteneck unter anderem seit Jahren die Hessische Schülerakademie aus, einen zweiwöchigen Ferienkurs für interessierte und begabte Schüler.
Historie und Hintergrund
Die BURG FÜRSTENECK - Akademie für berufliche und musisch-kulturelle Weiterbildung ist eine Bildungseinrichtung in Hessen mit überregionaler, überparteilicher und überkonfessioneller Ausrichtung. Einst mittelalterliche Trutzburg ist BURG FÜRSTENECK seit 1953 ein Ort freier und kreativer Weiterbildung.
Das Bildungskonzept
Weiterbildung auf BURG FÜRSTENECK bietet gute Gelegenheit für fachliche und persönliche Orientierung und Entwicklung. Abseits von Alltagsgeschäften entsteht im Schutz der Burgmauern die Chance zur Konzentration auf weiterführende Themen im Rahmen anregender Gruppensituationen.
Das Bildungskonzept ist in der Verbindung von beruflicher Qualifizierung, Persönlichkeitsentwicklung, Werteorientierung und kultureller Beteiligung auf die Ganzheitlichkeit des Lebens gerichtet. Bildung auf BURG FÜRSTENECK gelingt in der Entfaltung eigener Spielräume und der Umsetzung erworbener Kenntnisse und Fähigkeiten im Alltag.
Die Zielgruppen
An dem öffentlich ausgeschriebenen Seminarprogramm der Akademie BURG FÜRSTENECK können alle interessierten Menschen teilnehmen.
Darüber hinaus werden Kooperationskurse zu vereinbarten thematischen Schwerpunkten mit Zielgruppen und Partnern aus privaten und öffentlichen Unternehmungen, Organisationen, Vereinigungen und Verbänden durchgeführt. BURG FÜRSTENECK kann auch zur Durchführung eigener Bildungsangebote angefragt werden.
Unterkunft in der modernisierte Burg
In den Jahren 2004 - 2008 wurde die vollständig erhaltene Burganlage aus dem 13. Jahrhundert umfangreich saniert und modernisiert. Dabei wurden insbesondere alle Unterkunftszimmer als Doppel- und Einzelzimmer mit eigenem Bad neu hergestellt. Die oft gelobte Burgküche bietet den Teilnehmenden gute (nach persönlicher Wahl auch vegetarische) Vollverpflegung. BURG FÜRSTENECK bietet Unterkunft und Vollpension für etwa 70 Personen.
Die Trägerschaft
Der gemeinnützige Trägerverein versteht sich als runder Tisch mit überkonfessioneller, überparteilicher und überregionaler Orientierung. Diese plurale Trägerstruktur ist bundesweit einzigartig. Besondere finanzielle Förderung erhält die Akademie BURG FÜRSTENECK auf Grundlage der seit 1952 andauernden Partnerschaft mit dem Land Hessen.
Mitglieder der Trägervereins:
Land Hessen:
Hessisches Kultusministerium
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Körperschaften:
Gemeinde Eiterfeld
Landkreis Fulda
Universität Gießen
Evangelische Fachhochschule Darmstadt
Kirchen:
Bistum Fulda
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen
Verbände und Vereine:
Fürstenecker Freundeskreis
Deutscher Gewerkschaftsbund, Bezirk Hessen-Thüringen
Hessischer Volkshochschulverband
Internationaler Arbeitskreis für Musik
Landfrauen-Verband Hessen
Musische Gesellschaft
Persönliche Mitgliedschaft:
Reinhardt Hering, Kassel
Richard Brachmann, Kassel
Prof. Dr. Wolfgang Metzler, Schmitten
Statistik
Akademie BURG FÜRSTENECK führt knapp 200 mehrtägige Seminare jährlich durch. Etwa 3.500 Menschen nehmen an diesen Kursen und Fortbildungen teil. Dabei werden rund 14.000 Übernachtungen auf der Burg gebucht. In mehrjährigen Befragungen zur Qualitätsentwicklung beurteilen weit mehr als 90% der Teilnehmenden BURG FÜRSTENECK zusammenfassend als "sehr gut" oder "gut". +++
[document info] Copyright © Osthessen-News und andere Urheber 2000-2010 Ein Projekt von unabhängigen Journalisten in Fulda. Eine Veröffentlichung der Inhalte bedarf der Zustimmung von Osthessen-News oder des jeweiligen Urhebers. |