"Mir fehlen zehn Top-Leute: Juristen für Miet-, Bau- und Verwaltungsrecht sowie Immobilien-Experten für Entwicklung und Betreibung“, sagte der Chef einer der renommierten bundesdeutschen Immobilienunternehmen: Walter Rossing, Gründer und Geschäftsführer der in Bad Hersfeld (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) ansässigen Unternehmensgruppe ROSCO. Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt und Anja Deiß, die Leiterin des Fachdienstes Unternehmensservice, besuchten den Unternehmen in dessen Kurpark-Villa. Der Fachdienst ist spezialisiert auf kommunale Vermittlung in Arbeit. „Wenn wir helfen können, dann werden wir Sie unterstützen“, sagt der Landrat zu. Einfach wird es nicht, denn nach den Erfahrungen des Firmenchefs Rossing ist der Standort Bad Hersfeld gegenüber Ballungs-zentren wie Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf oder auch Frankfurt nicht ganz so attraktiv für Top-Manager.
„Hier nimmt man Sie nicht so wahr, denn Sie sind mehr bundesweit - teils europaweit und sogar in China - aktiv, als lokal“, stellte der Landrat zu Beginn des langen und intensiven Ge-sprächs fest. Rossing entstammt zwar der Region, war aber lange Jahre in München tätig. Als Apotheker startete er beruflich, bevor er sich gemeinsam mit seinem Bruder Dennis ent-schloss, in das Immobilienfach zu wechseln. Das war vor weit mehr als 20 Jahren, erklärte Rossing. Damals startete er mit dem Bau von Geschäftshäusern und Supermärkten. Es folg-ten Baumärkte, Fachmarkt-Center, Shopping-Center, Bürohäuser oder öffentlich-rechtlich genutzte Bürogebäude. Hinzu kamen vor einigen Jahren Baudenkmäler, die jüngste Errun-genschaft ist das Industriedenkmal "Salzmannfabrik" in der Sandershäuser Straße in Kassel mit rund 40.000 Quadratmetern oder das Mitte 2006 aus einem Umspannwerk fertiggestellte Customer Care Center von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger Vattenfall mit gut 17.000 Quadratmetern Fläche.
„Schnelle Projektentwicklung benötigt etwa vier bis fünf, langsame etwa sechs bis zehn Jah-re, berichtet der Firmenchef gegenüber Landrat Dr. Schmidt aus seiner Erfahrung. Sein „ge-duldigstes“ Projekt sei eine Immobilie im Erftkreis westlich von Köln, für das 1987 mit den Planungen begonnen wurde und für das dieses Jahr der dritte Bauabschnitt bevorsteht, sag-te Rossing. „Langfristige Planung ist die Basis des Erfolgs“, lautet eines der Credos des Un-ternehmers. Er will auch mit seinen Immobilienunternehmen „das Vertrauen der Menschen gewinnen und ein gutes Produkt hinterlassen“.
In einer gemeinsamen Gesellschaft mit der saarländischen Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), der ROLEG, werden die gesamten Aktivitäten im Rahmen von Commercial Real Estate im Saarland und den nahe angrenzenden Gebieten Luxemburg, Rheinland-Pfalz sowie Nord-rhein-Westfalen gebündelt. Seit Anfang 2006 ist die ROSCO Gruppe auch in China aktiv und verfügt dort bereits über vier Mitarbeiter und ein erfolgversprechendes Netzwerk. Hier ist beabsichtigt in 2007 konkret in Form mehrerer Joint Venture aber auch allein sich einen Na-men im Markt zu machen.
Rossing berichtete, dass sein 1989 gegründetes Unternehmen gegenwärtig 45 Personen be-schäftigt, davon 22 in Bad Hersfeld. Bis zu 60 Subunternehmen seien für Rosco tätig, bei der Planung, beim Bau und bei der langfristigen Betreuung und dem Betrieb der Objekte. Vielfäl-tige Kontakte zu Kommunen und Konzernen sowie in die Branche hinein helfen dem Unter-nehmen bei den Vorhaben. So konnten 2006 Immobilien im Wert von mehr als 200 Millionen Euro veräußert werden, erklärte Rossing.
„Ein stolzes Ergebnis“, kommentierte der Landrat, dessen Kreishaushalt rund 50 Millionen Euro weniger zählt. Er verabredete, mit Rossing im Gespräch zu bleiben, denn es gebe im Landkreis eine Reihe von Ansiedlungsflächen und in der Branche immer wieder Unterneh-men, die einen Standort suchen. „Vielleicht geht ja auch etwas zu Hause“, sagte Rossing ab-schließend, der gerne im Raum Hersfeld ein großes Shopping-Center oder Factory Outlet ge-baut hätte. +++