 | | Die kanadischen Vertreter dreier Biosphärenreservate sahen sich bei ihrem Besuch in der Rhön unter anderem im Erlebnisbergwerk von Merkers unter Tage umFotos: Mediendienst Biosphärenreservat Rhön |
 | | Zu ihrem Programm gehörte auch eine Besichtigung des Keltendorfes in Sünna |
| 11.11.06 - Region - Zwischen dem Thüringer Teil des Biosphärenreservates Rhön und drei Biosphärenreservaten in Kanada entwickelt sich eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Die Thüringer Verwaltung des Biosphärenreservates Rhön konnte jetzt Besuch aus Kanada begrüßen.
Vor einigen Monaten hatten der Leiter der Thüringer Verwaltungsstelle, Karl-Friedrich Abe, und der Mitarbeiter der Verwaltung, Reinhard Braun, Kanada besucht und sich dort vor Ort in den verschiedenen Biosphärenreservaten umgesehen. Kanada verfügt insgesamt über 13 von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate. Die Kontakte zwischen beiden Ländern sollen dazu dienen, Erfahrungen des jeweils anderen Partners zu sammeln und auszutauschen.
Anlässlich eines Regionalen Abends im Hotel Eisenacher Haus hatten die drei kanadischen Vertreter Rebecca Pollock, Charles Roberge und Andrew Hawrysh die Gelegenheit, den geladenen Gästen aus der Rhön ihre Biosphärenreservate vorzustellen. Auch die Referentin im Referat Schutzgebiete und Eingriffsbegleitung im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Britta Krämer, war gekommen, um die kanadischen Gäste im Namen von Minister Dr. Volker Sklenar zu begrüßen.
Thüringen besteht zu 54 Prozent aus landwirtschaftlicher Nutzfläche und zu 32 Prozent aus Wald, schilderte Britta Krämer. Gleichsam komme Thüringen eine große internationale Bedeutung und Verantwortung beim Artenschutz und Naturschutz zu. Schließlich beherberge es zwei von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate - das Biosphärenreservat Rhön und das Biosphärenreservat Vessertal - und damit zwei Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Thüringen biete landschaftliche Schönheiten, Kulturschätze, Sehenswürdigkeiten, Traditionelles und Modernes.
Im Biosphärenreservat Rhön gebe es Brunnen- und Marktfeste, die Lichtmess und die Kirmes, die noch gefeiert werden. Auch steinerne Wegkreuze, Burgen und Grenzanlagen der ehemaligen innerdeutschen Grenze seien hier allgegenwärtig. Hinzu komme der Lebensraum für den Schwarzstorch, den Uhu, den Rotmilan und die Silberdistel. „Biosphärenreservate sind nicht nur eine Angelegenheit eines Bundeslandes oder eines Staates, sondern sie sind eine internationale Angelegenheit“, hob Britta Krämer hervor. Deshalb sei es auch so wichtig, dass sich die Biosphärenreservate untereinander austauschten, gegenseitig Projekte kennenlernten und verschiedene Lösungsansätze fänden. „Wir sind alle aufgefordert, über unseren Tellerrand zu schauen. Nur so können wir Lösungen für Probleme finden“, so Krämer.
Dem Treffen zwischen den Vertretern aus Kanada und der Rhön sei ein Erfahrungsaustausch der Biosphärenreservate aus Europa und Nordamerika voraus gegangen. Dort wurde auch die Zusammenarbeit zwischen den drei kanadischen Biosphärenreservaten und dem Thüringer Teil des Biosphärenreservates Rhön angeregt. Das deutsche Nationalkomitee „Mensch und Biosphäre“ und das Bundesumweltministerium unterstützen diesen Erfahrungsaustausch. Auf dem umfangreichen Besuchsplan der Kanadier standen unter anderem eine Besichtigung des Keltendorfes in Sünna, ein Besuch im Schullandheim Schafhausen sowie in der Gedenkstätte Point Alpha bei Rasdorf und eine Besichtigung der Landschaftspflege-Agrarhöfe GmbH & Co. KG in Kaltensundheim. Außerdem sahen sich die Gäste aus Nordamerika im Schaubergwerk von Merkers unter Tage um.
Rebecca Pollock, die Vizepräsidentin der Kanadischen Biosphärenreservatsgesellschaft und Leiterin des Georgian Bay Biosphere Reserve, zeigte sich beeindruckt von der großen Unterstützung, die die Thüringer Landesregierung dem Biosphärenreservat Rhön zukommen lässt. Sie wünschte sich, dass es zu einer Partnerschaft zwischen ihrem Biosphärenreservat und dem Biosphärenreservat Rhön kommt. Andrew Hawrysh, Vice-Präsident des Redberry Lake Biosphere Reserve, hob in seinem Eintrag im Gästebuch des Biosphärenreservates Rhön hervor, dass er während seines Besuches erlebt habe, wie sich ein Biosphärenreservat entwickelt und wie es funktionieren sollte. „Ihr habt uns vorgemacht, dass Ihr führend in der Welt bei der nachhaltigen Entwicklung seid“, so sein Eintrag. Weiter schreibt Hawrysh: „Ich bin tief beeindruckt, wie gut Euer Team zusammenarbeitet, wie engagiert alle Beteiligten, Gemeinden, Schule, Bauern und Geschäftsleute sowie verschiedene Regierungsebenen sich einbringen. Wir freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit…, und ich freue mich auf Euren Rat.“
Auch Charles Roberge, Präsident des Charlevoix Biosphere Reserve, hat der Besuch in der Rhön sehr gefallen. „Die Harmonie der Kulturlandschaft, geschaffen durch die Rhöner, ist Jahrhunderte lang die Quelle jeglicher Inspiration, welche Reisende entdecken können; in der sie sich und ihre Wurzel in Mutter Natur wieder finden, eine Landschaft, die Augen öffnet für einen weiteren, globalen Blick“, schreibt er. Und er kommt zu dem Schluss: „Wir müssen unseren Austausch auf eine regelmäßige Basis stellen, unsere Bemühungen intensivieren und eine gemeinsame Sprache finden, um konkrete Pläne auszuarbeiten mit gemeinsamen Zielen für Natur und Kultur.“
Das Biosphärenreservat Georgian Bay, erläuterte Rebecca Pollock, ist auch bekannt als die „30 000 Inseln“. Der Hauptzweig dort ist der Tourismus. Innerhalb des Biosphärenreservates gibt es 21 Kernzonen. Georgian Bay gilt als größter Trinkwasserarchipel der Welt und beherbergt 1.000 Pflanzenarten. Das Biosphärenreservat Charlevoix, erläuterte Charles Roberge, befindet sich nördlich von Quebec. Der Sankt-Lorenz-Strom ist charakteristisch für diese Gegend. Im Biosphärenreservat gibt es eine hohe Konzentration an Schiffbaufirmen. „Dieses Erbe wollen wir für die Zukunft erhalten“, hob der Präsident hervor. Innerhalb des Biosphärenreservates sind außerdem noch sechs Walarten heimisch. Es wurde dort extra ein Marinepark geschaffen, um die Wale zu schützen.
Auch im Biosphärenreservat Charlevoix ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle. 30.000 Einwohner leben hier - aber pro Jahr kommen 800.000 Touristen. Redberry Lake hingegen hat nur 1.000 Einwohner und ist als Vogelschutzpark anerkannt. Es verfügt außerdem über eine Buschlandschaft. Vor 100 Jahren haben sich dort vor allem Ukrainer niedergelassen. Auch die Indianer sind Bewohner eines Teils dieses Landes, erklärte Andrew Hawrysh den deutschen Zuhörern. +++
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