 | | Fotos: Dominik Bortz |
| 10.10.06 - Gelnhausen - „Film ab,“ hieß es Sonntag in der Meerholzer Kulturstation Kaufmann. Im Rahmen der Meerholzer Kulturtage wurden Stummfilme aus den 20 er Jahren gezeigt. Der „Mann des Abends“ war Paul-Rainer Wicker, der den 100 Jahre alten Filmprojektor steuerte und die 35 mm breiten Bänder wechselte. Für den Rollenwechsel musste wegen der mühevollen Handarbeit knapp fünf Minuten Pause eingelegt werden. „Das Gerät wurde in den 80er Jahren gebaut und wiegt knapp 60 Kilo,“ erläuterte Wicke. Eine 1000 Watt starke Lampe sorgte für die richtige Projektion auf die Leinwand. „1000 Watt sind noch wenig – meistens sind es bis zu 6000 Watt.“
Zwei Lüfter sorgen für die richtige Kühlungder Maschine, die meistens Filmbänder mit bis 3000 Metern Länge über sich laufen lässt. 10 000 Pixel Auflösung besitzt ein solcher Film. „Wir haben die Geräuschkulisse des Projektors unbedingt gewollt,“ schilderte Kulturamtsleiter Thomas Appl. Dadurch könne man das richtige „Kino-Feeling“ verspüren.
Bernd Wilfer „Q.Fell“ von der Kulturstation begrüßte die Besucher und stellte zugleich Markus Mc. Haurin vor, der die Filme am Klavier musikalisch untermalte. Dann begann das unnachamliche Knacken und Rattern der Maschine und basierend auf den Motiven des Goethe-Klassikers erzählte Filmemacher Faust die Geschichte des gleichnamigen Gelehrten, der von Mephisto in Versuchung geführt wird. Mephisto hatte in einem Streit mit dem Erzengel Gabriel behauptet, er könne jeden Menschen vom Weg Gottes abbringen. Um den alten Faust zu verführen, läßt Mephisto das Land von der Pest heimsuchen; da die sterbenden Menschen den Gelehrten um Hilfe anflehen und dieser trotz seiner Gebete keine Hilfe von Gott
erhält, sucht er Rat beim Teufel.
Um ihn für sich zu gewinnen, verspricht Mephisto Faust die ewige Jugend und alle Schätze dieser Welt. Faust läßt sich auf den Pakt ein und verschreibt damit seine Seele dem Teufel. Fortan muß Mephisto ihm alle Wünsche erfüllen. Als Mephisto und Faust eines Tages in dessen Heimatstadt zurückkehren, verliebt Faust sich in das unschuldig-reine Gretchen. Nachts steigt er in Gretchens Zimmer ein, um sie zu verführen, während Mephisto gerade den aus dem Krieg heimgekehrten Bruder Valentin herausfordert und tötet. Zu allem Unglück entdeckt Gretchens Mutter Faust im Zimmer ihrer Tochter, worüber sie aus Gram stirbt.
Die Katastrophe nimmt ihren Lauf.....
Paul-Rainer Wicke bedauerte abschließend, dass die Digitaltechnik wohl in 2-3 Jahren die alten Projektoren ablösen wird. „Die Filme sind so alt wie dieser Raum,“ staunte er. Sie lagen vermutlich lange Jahre unbenutzt im Deutschen Filminstitut. Den Bemühungen der Organisatoren nicht angemessen waren die unbesetzten Plätze beim „Meerholzer Stummfilmabend.“ Auch wenn sie sich eine bessere Resonanz gewünscht hatten, so war es trotzdem ein schöner Abend, bei dem sicherlich auch Erinnerungen an die eigene Kindheit erweckt wurden. (dbo) +++
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