Wenig Nachwuchs bei den Birkhühnern - Herbstzählung ergab 32 Tiere

 

13.10.05 - Rhön - Wenig Nachwuchs bei den Birkhühnern
Am letzten Samstag wurde unter der Regie des Landratsamtes Rhön-Grabfeld in Zusammenarbeit mit der Wildland-Gesellschaft und dem Birkwildhegering die Birkhuhn-Herbstzählung durchgeführt. In bewährter Weise besetzten 58 Beobachter, darunter Jäger des Birkwildhegerings, Mitglieder der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Unterfranken sowie ehrenamtliche Naturschützer und Mitarbeiter des Landratsamtes bereits vor Tagesanbruch die 39 Zählplätze im Naturschutzgebiet Lange Rhön.

Ziel der Herbstzählung ist es vor allem, die Aufzuchtserfolge des Birkwildes im Laufe des vergangenen Sommers zu dokumentieren. Des weiteren können dann die Winterverluste bei der nächsten Frühjahrszählung besser eingeschätzt werden.

Bei insgesamt guten Beobachtungsbedingungen – der morgendliche Dunst löste sich bei strahlendem Sonnenschein rasch auf – und nach Auswertung der Zählunterlagen im Jagdschloss Holzberg, konnte ein Zählergebnis von 16 Hähnen und 16 Hennen vermeldet werden. „Der weitere Bestandesrückgang gegenüber der Frühjahrszählung (18 Hähne, 11 Hennen) zusammen mit den zu erwartenden Winterverlusten gibt uns Anlass zur Sorge“, so der Leiter des Birkwildhegerings, Christoph Helm.

Die Auswertung der Beobachtung von Begleitarten durch den Vorsitzenden der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft, Lothar Kranz und seiner Mitarbeiter brachte ein erfreulicheres Ergebnis von 57 Vogelarten, davon 16 Arten der Roten Liste und einige Durchzügler. Unter anderem konnten Bekassinen, Raubwürger und Ringdrosseln beobachtet werden. Eine Kette vorüberziehender Kraniche komplettierte die morgendliche Herbststimmung auf der Hochrhön.

Während der Sommermonate wurden von den Gebietsbetreuern der Wildland-Gesellschaft lediglich 4 beflogene Birkhuhn-Gesperre (Hennen und ihre Küken) mit einer Gesamtzahl von weniger als 15 Jungvögeln sicher bestätigt. „Die Witterungsbedingungen im Sommer waren zur Aufzuchtszeit nicht optimal aber während der sensiblen Schlupfzeit zufrieden stellend. Die Ursachen für die geringen Aufzuchtserfolge liegen möglicherweise auch im genetischen Bereich. Untersuchungen an Federproben sollen aktuell Auskunft darüber geben, ob die bereits relativ lange Isolierung von anderen Birkhuhnvorkommen bei geringer Bestandesgröße schon zu einer Einschränkung der genetischen Varianz geführt hat“, kommentiert Torsten Kirchner, Gebietsbetreuer der Wildland-Gesellschaft das Zählergebnis. „Im Klartext heißt dies, dass unter Umständen Inzuchterscheinungen schon zu einer deutlichen Einschränkung des Brutergebnisses führen könnten. Dies würde möglicherweise auch die geringe Kükenzahl der beobachteten Gesperre in den letzten Jahren erklären.“
Weiterhin verweist Kirchner auf die wiederum häufige Beobachtung von Wildschweinen und anderen Prädatoren (Beutegreifer) in den Brutgebieten. Diese nehmen wahrscheinlich einen bedeutenden Einfluss auf die Reproduktion sämtlicher Bodenbrüter. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, steht auch weiterhin die Notwendigkeit einer intensiven Bejagung, vor allem auch des Schwarzwildes, im Naturschutzgebiet Lange Rhön und dessen Umfeld außer Zweifel.

Die Gebietsbetreuer Christoph Häberlein und Torsten Kirchner weisen darauf hin, dass vor allem unnötige Störungen im kommenden Winter, z.B. durch Skilanglauf abseits der offiziellen Loipen, vermieden werden müssen, da sich Energieverluste in der kalten Jahreszeit besonders dramatisch auswirken. „Wenn die Winterverluste überhand nehmen, wird die Lage kritisch.“


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