27.02.12 - EITERFELD

Drei Jahre Fortbildung und ein einmaliges Konzert auf Burg Fürsteneck

Im Großen Rittersaal war kein Platz mehr frei geblieben, als die Burg Fürsteneck am Samstagabend zu einer Zeitreise durch die Musik des Mittelalters geladen hatte. Ein Konzert, das in dieser Vielfalt und Qualität nur selten zu hören sein wird. Denn für die 16 Musiker war es der Abschluss einer dreijährigen Fortbildung, die in der Musikwelt absolut einmalig ist. Grund genug auch für den Deutschlandfunk, das Konzert aufzuzeichnen. :

„Summer un de Winder“, so der Titel eines kräftigen weltlichen Stückes des Minnesängers Neidhard aus der Zeit um 1200, zu dem sich Olaf Krause selbst auf der Drehleier begleitete. Obwohl die französische Trouvère aus dem 13 Jahrhundert nicht der Anbetung der weltliche Liebe, sondern der Jungfrau Maria gewidmet war, sorgte Silvia Needon mit dem Rhythmus ihrer nach mittelalterlichen Vorbildern gebauten Rahmentrommel dafür, dass die Interpretation weit entfernt von allein süßer religiöser Gefühligkeit blieb: Bernhard Witzke überraschte mit einem seltenen Instrument, das für Konzertbesucher noch viel seltener zu hören ist: Das Portativ ist die kleinste Orgel überhaupt. Und nicht leicht zu spielen. Allein schon mit dem Blasebalg unter dem linken Arm einen gleichmäßigen Druck aufzubauen, fordert viel Übung. Zu Martin Uhligs und Silvia Needons Begleitung auf Laute und Viellesang Uta Kirsten ein Minnelied, das von Johannes Ciconia aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert überliefert ist.

Große Ausdruckskraft legte Lucia Mensemit ihrer Blockflöte in eine Istanpitta, einen frühen italienischen Tanz aus der gleichen, Trecento genannten, Epoche. Uri Smilansky war einer der beiden Dozenten und Leiter des Mittelalter-Fortbildungszyklus. Er lehrt neben der Burg Fürsteneck im südenglischen Salisbury.Sein Spiel auf der Vielle zeigte, dass er nicht nur ein ausgezeichneter Musiktheoretiker, sondern auch ein einfühlsamer Interpret ist. Sein Partner während der vergangenen drei Jahre war Marc Lewon, der neben Konzerten Lehrverpflichtungen in Basel, Oxford und Wien wahrnimmt.

Karen Marit Ehlig (Vielle), Nelly Sturm (Blockflöte) und Christine Mothes (Gesang) haben sich als Ensemble La Mouvance in der Konzertszene für Alte Musik bereits einen Namen gemacht. Regina Schmidt begeisterte die Zuhörer mit einem weichen, dennoch klaren und ausdrucksstarken Sopran. Hier begleitet von Dozent Uri Smilansky bei einem Lied aus der Ars Nova-Epoche Frankreichs im 14. Jahrhundert.

Pamela Petsch, Stefanie Brijoux, Uta Kirsten und Olaf Krause beschlossen mit einem Chanson aus dem Burgund des 15. Jahrhunderts den überaus reichen Konzertabend. Die Zuhörerin mit der weitesten Anreise kam aus Japan. Ein solches Konzert sei in dieser Vielfalt und Qualität weltweit äußerst selten zu hören, das lohne die Anreise.

Geschafft!

Zum Abschluss des Abends wurde noch Karsten Evers, ein Urgestein der Burg, mit einem Blumenstrauß geehrt und in den Ruhestand verabschiedet. 26 Jahre lang hat er den Bereich der Musischen Bildung der Akademie für berufliche und musisch-kulturelle Weiterbildung Burg Fürsteneck geleitet. Nicht zuletzt war er auch der Initiator der Fortbildungsreihe Mittelalterliche Musik, die mit dem Konzert ihren überaus gelungenen Abschluss fand. Das weltweit einmalige Projekt war so erfolgreich und wird von Musikern so stark nachgefragt, dass es im Herbst aller Wahrscheinlichkeit nach in eine zweite Runde starten wird. Wenn dann einmal seine Hilfe oder sein Rat gebraucht würde, dürfe man ihn gern jederzeit fragen, Ruhestand hin oder her. (Friedhelm Fett) +++

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