25.03.10 - FULDA

13 Missbrauchsfälle im Bistum - ALGERMISSEN für "lückenlose Aufklärung"

Derzeit laufen vier Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen drei Priester des Bistums Fulda sowie einen ehemaligen Laienmitarbeiter, hinzugekommen ist kürzlich ein weiterer Verdachtsfall, der sich ebenfalls auf einen Laienmitarbeiter der Kirche bezieht. Das erklärte Anne Schmitz, Bistumsbeauftragte für Verdachtsfälle von Missbrauch, heute Mittag während einer Pressekonferenz im Generalvikariat. Daneben gebe es insgesamt vier Altfälle, von denen zwei neu aufgerollt werden, da es inzwischen neue Vorwürfe gegenüber den betreffenden Priestern gebe - allerdings gehe es in diesen Fällen "nur" um sexuelle Beleidigung und nicht um Missbrauch. Vier weitere Geistliche, die sich zwischen 1940 und 1980 sexueller Vergehen strafbar gemacht haben, seien zwischenzeitlich verstorben. Nähere Informationen zu den Umständen der einzelnen Taten gab Schmitz aus Opferschutzgründen nicht bekannt.

"Ich spreche heute in tiefer Betroffenheit und aus einem verwundeten Herzen. Ich habe noch nicht alles verkraftet" - mit diesen Worten begann Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen (Foto oben) die Pressekonferenz. Er bitte sehr wohl im Namen der Kirche um Vergebung, um Verzeihung bitten könne er aber nicht; das obliege den Tätern. Er sei sich aber bewusst, dass es ein schwieriger Weg für die Kirche werde, bis die Vergebung akzeptiert werde und das angeschlagene Vertrauen wiederhergestellt sei: "Ich bin kein Prophet, aber ich denke, wir brauchen sicherlich ein Jahrzehnt, um die Bruchstücke aufzuräumen. Nach der Zeit der Aufarbeitung wird es sicherlich eine demütigere Kirche geben, als es heute der Fall ist". Für den Augenblick konzentriere man sich auf die Aufklärung der bekanntgewordenen Fälle und vor allem auch auf Hilfe für die Missbrauchsopfer. "Wir haben bisher das Leiden der Opfer nicht gesehen - wir haben viel gelernt. Ich versichere: Das Bistum Fulda tut alles, um die Fälle aufzuklären und sich dem Leiden der Opfer in Demut zu stellen", so Algermissen.

Missbrauchsopfer, die sich offenbaren, würden von der Kirche nach Kräften unterstützt. So würden unter anderem Therapiekosten übernommen. Die Möglichkeit einer finanziellen Entschädigung werde momentan auf Ebene der Bischofskonferenz diskutiert - unabhängig vom Zeitraum der Tat: "Für mich gibt es keine Verjährung." Algermissen habe aber die Erfahrung gemacht, dass sich "viele Opfer nicht für eine finanzielle Entschädigung interessieren. Ihnen geht es darum, ihre Wunden offenzulegen". Letztlich obliege eine derartige Wiedergutmachung vor allem den individuellen Tätern, so die Bistumsbeauftragte Anne Schmitz.

Der Bischof appellierte aber auch an die Allgemeinheit, Priester nicht unter Generalverdacht zu stellen. "99 Prozent aller Priester tun einen guten Dienst. Die restlichen 1 Prozent sind ein schweres Problem, und es reicht uns jetzt". Ein weiterer Aufruf erging an die Missbrauchsopfer, die den Schritt in die Öffentlichkeit bislang nicht gewagt haben: "Meldet Euch!"

Wenig überraschend übrigens die starke Medienpräsenz während der Pressekonferenz im Generalvikariat: vier Fernsehteams und zahlreiche Fotografen und Redakteure drängten sich im relativ kleinen Sitzungszimmer.

Um mit der Bistumsbeauftragten Anne Schmitz Kontakt aufzunehmen, gibt es die Möglichkeit, ihr eine E-Mail zu senden ( anne.schmitz@bistum-fulda.de ) oder sie anzurufen ( 0661/87455). Daneben finden Betroffenen Hilfe beim Verein "Weisser Ring" - nähere Informationen unter www.weisserring.de . (dz)+++

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