23.11.06 - Region

Räuberpistole: Amerikanische "Highway-Patrol" auf osthessischer Autobahn

Nicht schlecht staunten Polizisten der Fahndungsgruppe der Direktion Verkehrssicherheit/Sonderdienste als ein Streifenwagen der California Highway Patrol augenscheinlich in ihrem Revier auf der BAB 5 am Hattenbacher Dreieck Streife fuhr. Am Steuer saß ein "echter amerikanischer Cop" der seinen Ellbogen - wie im besten Fernsehkrimi - lässig an die Scheibe gelegt hatte, während er locker die Autobahn bestreifte. An der Rastanlage Rimberg sollte eine Kontrolle Klarheit über den vermeintlichen Kollegen bringen. Der augenscheinliche Cop stieg selbstbewusst und in kompletter amerikanischer Polizeiuniform aus seinem Straßenkreuzer, im Hintergrund ertönte original amerikanischer Polizeifunk aus einem Lautsprecher.

Voll bewaffnet mit einem Trommelrevolver der Marke Smith & Wesson, hölzernem Schlagstock und Handschellen, durfte zum umgeschnallten Sprechfunkgerät auch die griffbereit in einer Halterung befestigte Pumpgun im Fahrzeug nicht fehlen.

Obwohl man ihn eigentlich nicht nach dem Namen hätte fragen müssen, denn auf seinem kupfernen Namensschild war groß "T. J. LAZER" eingraviert, ließen sich die Kollegen doch sicherheitshalber den Ausweis zeigen. Schnell bestätigte sich der Verdacht, dass es kein "richtiger" Kollege war. Es handelte sich um einen 35 Jahre alten Mann aus Göttingen, der seinen dreißig Jahre alten, original amerikanischen Streifenwagen zu einem Käufer nach Amberg (Bayern) bringen wollte. Nur weil der Käufer auch einmal das komplette Outfit bestaunen wollte, war er in kompletter Uniform gefahren, so erklärte er der Polizeistreife sein Auftreten.

Das Ganze wirkte so echt auf die Öffentlichkeit, dass der "Cop" während der Kontrolle mehrfach von anderen Autofahrern, die sich in der Baustelle der Autobahn verfahren hatten, nach dem Weg gefragt wurde, während die Polizisten in Zivil offenbar niemand zur Kenntnis nahm. Pech für den "amerikanischen Kollegen" war aber, dass die deutschen Kennzeichen für seinen Streifenwagen nicht mehr gültig waren und dass er für seinen Schreckschussrevolver keinen Waffenschein besaß.Da auch das Tragen einer solchen Uniform in der Öffentlichkeit in dieser Form nicht erlaubt ist, musste er diese nach einer gemeinsamen Shopping-Tour mit den "echten Kollegen" auf eigene Rechnung gegen zivile Bekleidung eintauschen. Erst nach dieser Prozedur wurde er wieder in die Freiheit entlassen, musste aber seinen nicht versicherten Streifenwagen vorerst zurücklassen.

Bleibt noch hinzuzufügen, dass es sich bei der Pumpgun um eine täuschend echte Spielzeugwaffe handelte und der amerikanische Polizeifunk aus einem Diktiergerät abgespielt wurde.+++

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