Osthessen-News

Milseburg-Radweg ohne negativen Auswirkungen auf Kleinlebewesen

22.01.04 - Fulda - Von der Nutzung der ehemaligen Bahnlinie zwischen Petersberg-Götzenhof- und Hilders im Kreis Fulda als "Milseburg-Radweg" (siehe auch www.milseburg-radweg.de) gehen keine nennenswerten Beeinträchtigungen für die Tierwelt aus. Der Naturschutzdezernent des Landkreises Fulda, Bernd Woide, verwies heute auf die Ergebnisse eines jetzt vorliegenden Gutachtens, mit dem denkbare Auswirkungen auf Amphibien und Reptilien untersucht worden seien.

Nach Aussage des Gutachters kommen achtzehn hessische Amphibienarten im Landkreis Fulda vor. Davon konnten bei einer Bestandserhebung vor Übergabe des Milseburg-Radwegs sechs Arten (Bergmolch, Teichmolch, Kammolch, Feuersalaman-der, Grasfrosch und Erdkröte) im unmittelbaren Trassenbereich nachgewiesen wer-den. Auch sind von den elf hessischen Reptilienarten sechs im Kreisgebiet verbreitet. Von diesen wurden drei (Bildschleiche, Waldeidechse und Zauneidechse) auf der Trasse oder in deren unmittelbarem Umfeld entdeckt. Zudem darf vermutet werden, dass auch die beiden Schlangenarten Ringel- und Schlingnatter im Gebiet östlich der Trasse auftreten.

Als mögliche ökologische Eingriffe werden die Asphaltierung des Radwegs, einige bauliche Veränderungen im und am Milseburgtunnel sowie die Sanierung und Erneuerung von Brückenbauwerken genannt. Aus Sicht des Gutachters bringt die Re-aktivierung der Trasse als Radweg nach jahrelanger Stillegung eine nur geringfügige Verschlechterung der Lebensraumqualität mit sich. Hierbei sei insbesondere an Ver-luste durch Überfahren beziehungsweise Beunruhigung der Reptilienbestände zu denken. Positiv wirke sich hingegen der Erhalt des Trassenkörpers aus. So könnten durch Freihaltung der offenen, südexponierten Böschungen die Vorkommen langfris-tig gesichert werden.

Insgesamt stuft das Gutachten die Auswirkungen des Radwegs auf die Amphibien-fauna als vernachlässigbar gering ein. Insbesondere der im Trassenverlauf häufig anzutreffende Feuersalamander sei ausschließlich bei völliger Dunkelheit und regennassen Witterungsbedingungen anzutreffen. Deshalb dürfte es nur sehr vereinzelt zu Verlusten durch Überfahren kommen. Die geringe Frequentierung des Milseburg-Radwegs während der Aktivitätszeiten des Salamanders rechtfertige den Bau einer Amphibienleitanlage zum Schutz der Population nicht. Allerdings sollten die Kanaldeckel am westlichen Tunnelausgang durch das Abdichten vorhandener Löcher für Amphibien gesichert werden.

Zu einer etwas anderen Beurteilung kommt das Gutachten bei den Reptilien. Sie sei-en aufgrund der weiter zunehmenden Frequentierung des Milseburgradwegs eher gefährdet. "Die tagaktive Lebensweise dieser Tierklasse muss zwangsläufig zu Konflikten führen, ohne dass sich die Auswirkungen anhand der vorliegenden Daten quantifizieren lassen." Jedoch könnten durch die vorgesehenen Ausgleichsflächen beispielsweise im Bereich nördlich der Kläranlage von Langenbieber etwaige Verlus-te kompensiert werden. Auch würden beste Voraussetzungen für die Wiederansiedlung der Gelbbauchunke geschaffen, von der nur zwei Reliktpopulationen im Landkreis Fulda überdauert hätten.

Schließlich spricht der Gutachter die Empfehlung aus, der voranschreitenden Verbuschung zumindest entlang der derzeit noch offenen südexponierten Böschungen Einhalt zu gebieten. Neben der Zauneidechse würden auch andere Tierarten von ei-ner Offenhaltung profitieren. Auch könnte der Freizeitwert des Milseburg-Radwegs von einer Einschränkung der Sichtverhältnisse beeinträchtigt werden. Im Hinblick auf die Gefährdung von Kleinlebewesen wird die Anregung gegeben, dass nach Möglichkeit versucht werden sollte, die Nutzer des Radwegs durch das Aufstellen von entspre-chenden Informationstafeln zu sensibilisieren. Hierfür biete sich beispielsweise der neue Parkplatz Götzenhof an. +++