18.10.06 - Rhön - Insgesamt 28 Informationstafeln wurden entlang des Milseburgradweges aufgestellt und heute von Landrat Bernd Woide offiziell übergeben. Die an der Strecke aufgestellten Tafeln informieren die Radfahrer über Lebensräume, Geologie und geschichtliche Hintergründe. „Wir hätten nicht gedacht, dass der Radweg so gut angenommen wird“, resümiert der Landrat zu Beginn seiner Rede bei Langenbieber. Man habe sich die Frage gestellt, ob der Radweg alleine ausreiche und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass zusätzlich noch Informationen weitergegeben werden sollten – "gerade für die, die nicht aus der Region kommen.“
Das gesamte Projekt hat 35.377,34 Euro gekostet. die Summe von 13.500 Euro davon wurde durch Sponsoren finanziert. Den restlichen Betrag teilen sich die Gemeinden Petersberg, Hofbieber, Hilders, die Stadt Tann und der Naturpark Hessische Rhön, die aus dem LEADER + Programm der EU noch eine 50-Prozent-Förderung erhalten werden. Für die finanzielle Unterstützung bedankten sich die Redner beim Deutschen Alpenverein, den VR-Banken der Region, der Firma Franz Carl Nüdling sowie der Firma Mineralbrunnen Rhönsprudel.
Der 27 km lange Milseburgradweg führt den Besucher vom Götzenhof in der Vorderrhön durch die Kuppenrhön bis ins Ulstertal. Dabei verläuft er durch verschiedene Landschaftsformen. Diese Tatsache wurde genutzt, um auf den Tafeln auf Besonderheiten in der Kulturlandschaft und der Geologie aufmerksam zu machen. Sechs der insgesamt 28 Tafeln, die sich mit der Geologie beschäftigen, wurden vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie, Dr. Dieter Nesbor, ausgearbeitet. Die anderen Themen wurden vom Naturpark Hessische Rhön in Verbindung mit der unteren Naturschutzbehörde und dem Hessischen Forstamt Hofbieber sowie der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön und mehreren privaten Informanten bearbeitet.
Die neuen Infotafeln: Von Feldhecken über Biebertalbahn bis zu Reptilien
Im ersten Abschnitt zwischen Götzenhof und Wiesen informieren die Tafeln an Kreuzungen mit Wirtschaftswegen über die Feldhecken und den Lebensraum Bachaue. Ebenfalls beschrieben und erklärt werden die Mühlen und Wasserkraftnutzungen, die Feuchtwiesen, der natürlicher Bachlauf sowie typische Böden der Kuppenrhön.
Im Bereich des ehemaligen Bahnhofes von Langenbieber erfährt der Besucher die wichtigsten Stationen der stillgelegeten Biebertalbahn. Auf Höhe des Schwimmbades in Langenbieber, unterhalb des Schlosses Bieberstein, gewähren die Infotafeln Einblicke in die geologische Entstehungsgeschichte und die heutige Nutzung des Schlosses. Zwischen dem Radweg und dem Schackauer Schlösschen offenbaren sich mit mächtigen Bimssteinablagerungen eindrucksvoll die geologischen Entwicklungsprozesse dieser Landschaft.
Den Radfahrer erwartet kurz hinter der Querung des Biebertales ein Einblick in das „Muschelkalkmeer in der Kuppenrhön“. „Nahezu am Ende der Steigungstrecke zum Bahnhof Bieberstein lädt an einem kleinen Rastplatz eine Panoramaaussicht in Richtung Milseburg und Kleinsassen zur Erklärung der Berge und der Geologie der Kuppenrhön ein“, beschreibt Otto Evers, Geschäftsführer des Naturparks Hessische Rhön, die weiteren Schilder. Auf die Buchenwälder wird an der Schutzhütte am Bahnhof Bieberstein und auf bronzezeitliche Grabhügel etwas abseits des Radweges im Wald aufmerksam gemacht.
Bis zum Milseburgtunnel folgen Erläuterungen zur Trinkwasserversorgung, Streuobstwiesen, Amphibien sowie Fledermäusen und kleinsten Höhlenbewohnern. An einem großen Milchviehstall wird die Bedeutung der Grünlandwirtschaft im "Land der offenen Fernen" erklärt. Die unterschiedlichen Gesteine der Kuppenrhön wie Sandstein, Muschelkalk und Basalt und ihre Bedeutung für die Rohstoffversorgung können die Besucher auf dem Spielplatz unmittelbar am Radweg bei Rupsroth kennen lernen.
Die Informationstafel am Rastplatz Eckweisbach wirft ein Schlaglicht auf die Vogelwelt der Rhön. Am Bahnhof Hilders befindet sich in der Ulster eine Fischtreppe, mit der der Bachlebensraum auch bei Mühlwehren für Fische passierbar wird. Die Bedeutung der Längsdurchlässigkeit der Gewässer erläutert eine entsprechende Tafel zur Fischtreppe. Am Naturschutzgebiet „Oberbernhardser Höhe“ unweit der „Umfahrungsstrecke“, die über die Wasserscheide zwischen Fulda und Werra führt, werden schließlich Reptilien und Kalkmagerrasen vorgestellt.
„Wir laden alle Besucher und auch Gruppen sowie Schulklassen ein, dieses neue Angebot zu nutzen, um das Naturerlebnis durch Hintergrundinformationen zu unserer Rhön abzurunden“, sagt Otto Evers abschließend. +++ |